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Denver – Salt Lake City

07/10/2012

Die längere Beratung mit unseren amerikanischen Freunden in Chicago hat sich gelohnt. Mit dem Zug bis nach Denver und anschliessend per Mietauto weiter in die Rocky Mountains zu fahren, war auch im Nachhinein gesehen ein guter Entscheid. Die Zugfahrt war trotz 18h Dauer eine komfortable Sache und die Great Plains bekamen wir auch so mit. Sie sind great und plain… Der Gedanke, die Strecke selbst zu fahren, verlor seinen Reiz nach ein paar Stunden zusehends staubigerem Flachland also rasch einmal…

Danach frühmorgens in Denver angekommen, holten wir unser künftiges Fahrzeug allerdings recht freudig ab. Und da das bestellte „kleine“ Auto (Toyota Corolla) leider nicht verfügbar war, ergatterten wir uns günstig ein für europäische Verhältnisse ziemlich grosses Teil (Chevy Impala) und brummten darauf mit unverhofften 240 PS los Richtung Boulder, wo wir uns erst einmal mit Campingmaterial und Verpflegung eindecken mussten. Am nächsten Tag ging es dann los Richtung Rocky Mountains Nationalpark, gefolgt von den Grand Tetons und Yellowstone. Und von da weg bekamen wir unsere ersehnte Dosis Natur. Und zwar in einem Ausmass, dass wir so trotz allen bereits gehörten Schwärmereien nicht erwartet hätten.

Erstens sind die erwähnten Parks nämlich ziemlich gross. Yellowstone allein bedeckt beispielsweise etwa ein Viertel der Fläche der Schweiz… Zweitens sind die Parks, abgesehen von ein paar (breiten!) Strassen sowie einigen Zeltplätzen und Unterkünften, auch wirklich frei von Zivilisation und die hiesige Natur überhaupt wirklich ursprünglich erhalten… Drittens sind die Tiere so gut an Besucher gewöhnt, dass man fast garantiert Elche, Bären und Bisons antrifft. Was mit der Zeit ironischerweise schon fast lästig werden kann. Beispielsweise wenn man kochen möchte und eine Elchherde die Feuerstelle blockiert… Und viertens wurde es nachts so kalt, dass wir auch noch im (Halb-)Schlaf stetig daran erinnert wurden, dass wir uns halt eben wirklich in der Wildnis befinden.

Die Zeit insgesamt war grossartig. Von der Elchbrunft in den Rocky Mountains über Hardcore-Trekking in den Grand Tetons bis hin zu den Geysiren, heissen Quellen und Büffelherden des Yellowstone-Parks erlebten wir täglich neue Abenteuer und sammelten fleissiger als sonst unvergessliche Eindrücke. Und nebenbei kamen wir auch immer wieder gut ins Gespräch mit Amerikanern – wobei die meisten halt eher mit Pick-Up-Truck plus 15-Meter-Wohnwagen unterwegs waren und nicht mit Zelt wie wir europäischen Ökospinner – und lernten so das Land und seine Bewohner nochmals ganz anders kennen.

Inzwischen haben wir die Rockies aber bereits wieder verlassen und sind in etwas wärmeren Gefilden. Der erste Schnee machte ein weiteres Campieren unmöglich und ausserdem brauchten wir nach so viel Wildnis auch mal wieder etwas Komfort. Momentan machen wir deshalb Zwischenstation in Salt Lake City und sind bisher positiv überrascht. Die Stadt ist hübsch herausgeputzt, weder zu gross noch zu klein, architektonisch nett und bietet auch im Umland eine Menge. Und als Hauptstadt der Mormonenkirche fehlt es Salt Lake City natürlich auch nicht an Exotik. Wobei die Gläubigen selbst schon fast überfreundliche Gesellen in weissen Hemden (Männer) oder Röcken (Frauen) sind, die Fremden noch so gerne ihre Welt erklären und halt einfach eine ziemlich wilde Vorstellung von Christentum haben… In CH würde man wohl trotzdem Sekte dazu sagen, aber mit dreizehn Millionen Mitgliedern, einem eigenen Staat (Utah) und vielleicht bald einem Präsidenten (Romney) geht das halt nicht mehr so gäbig…

Morgen folgt dann auch bereits die zweite Runde Nationalparks, diesmal mit Schwerpunkt Sandstein…

Liebe Grüsse, Simon

Bilder Denver - Salt Lake City

Bilder Denver – Salt Lake City

From → USA

One Comment
  1. Avatar von Gabriel
    Gabriel permalink

    Danke für den coolen Bericht und den schönen Fotos. Hier gibt es zwar keine Bisons oder Elche, dafür Kühe und Schafe, die einem gelegentlich den Weg versperren ;-)…
    Cool auch die Fotos von der Simi Schanze und ich hoffe mal, dass ihr nun nicht noch zu den Mormonen konvertiert :-P…

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