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San Francisco – Los Angeles

Glücklich und auch etwas wehmütig genossen wir heute unseren letzten Reisetag. Mit unserem doch etwas lieb gewonnen Chevy Impala haben wir seit Denver satte 4575 Meilen zurückgelegt und sind nun in Laguna Beach, nahe Los Angeles. Die letzte Etappe führte uns entlang des Highways One und beinhaltete wettermässig  fast alles Mögliche. Bei Sonnenschein zog es uns aber doch jeweils an den Stand, um noch etwas Wärme zu tanken, bevor wir der Schweizerkälte nicht mehr entfliehen können.

Doch alles der Reihe nach. Bevor wir uns nach San Francisco aufmachten, ging es zuerst Richtung  der bekannten Weingebiete rund um Sonoma und Napa. Wir degustierten allen möglichen Wein, aber schlussendlich munden uns europäische Tropfen doch etwas besser. Nebst dem Wein liessen wir uns auch noch anderweitig verwöhnen und stiegen in eine fast kochende graue Dreckbrühe, ein sogenanntes Mud Bath. Dies können wir nur weiterempfehlen.  Tags drauf gings dann über die Golden Gate Bridge  nach San Francisco. Nebst dem üblichen Sightseeing mischten wir uns dort unter eine Halloween Party im berüchtigten Schwulenviertel der Stadt. Und ein weiterer Vorteil der Multikulturalität: Wir fanden sogar ein vietnamesisches Restaurant, wo wir wieder einmal unsere lieb gewonnene Nudelsuppe verzehren konnten.

Die anschliessende Fahrt entlang der Küste nach Los Angeles war landschaftlich sehr schön und der Geruch verlieh dem Ganzen ein südländisches Flair. Nebst an den Kliffs aufprallenden Wellen sahen wir mehrfach Seelöwen, was stets ein lustiges Schauspiel abgab. Zudem hatten wir ein paar sehr schöne Campingplätze, einmal sogar direkt am Strand. Eine „Sandsturmnacht“ setzte dann aber unserer Freude am Zelten ein Ende. Nach Malibu und Santa Monica war für mich Hollywood eher enttäuschend, ist doch der Glamour fast ganz verblasst. Vom  Walk of Fame ist nicht mehr viel übrig als verblichene Sterne inmitten von Abgas und Autos. Dagegen fand ich die Universal Studios lohnenswert, da einem ein Einblick in die Filmwelt geboten wird und wir auch Spass an den Bahnen hatten. Die Simpsons „Achterbahn“ war beispielweise sehr modern und genial. Sie befand sich in einem kleinen Raum…

Alles Weitere hört ihr nun schon bald von uns selbst, live und direkt. Wir freuen uns, Euch alle zu sehen und unsere Erlebnisse mit euch zu teilen. In 348 Tagen und rund um die Welt erlebt man doch einiges.

Äs letschts Grüässli übere Teich,

Christina

Bilder San Francisco - Los Angeles

Bilder San Francisco – Los Angeles

Moab – Vallejo

Falls ihr euch fragt, wo Moab und Vallejo zu finden sind und ob man diese Orte kennen sollte, so können wir euch beruhigen. Beides sind nicht gerade Metropolen. Moab ist ein Wüstenkaff in Utah, welches für uns eine gute Basis für die umliegenden Nationalparks abgab und Vallejo ein ziemlich gesichtsloses Städtchen in der Nähe von San Francisco mit grossen Einkaufszentren rundherum. Man stelle sich Schönbühl vor, verdreifache die Strassenbreite und multipliziere die Fläche etwa zwanzigmal… Wir erholen uns hier in einem günstigen Motel von unsern Campingabenteuern, besonders der letzten Nacht auf 2000m inklusive Regen und Schnee. Eine gute Gelegenheit also, den Blog wieder einmal zu aktualisieren.

Und es ist ja auch einiges passiert bei uns. Von Salt Lake City ging es erst einmal zum Arches- und danach zum Canyonlands-Nationalpark. Beide wie erwähnt nahe Moab gelegen. Was wir dort landschaftlich vorfanden, kann man passend umschreiben mit „Erosion für Fortgeschrittene“… Im Arches NP haben die Elemente Bücken und Bögen aus dem Gestein gefräst, während sich im Canyonlands NP der Colorado River über Jahrmillionen hinweg immer tiefer ins Gestein gefressen und eine ausgedehnte Schluchtenlandschaft hinterlassen hat. Von der Tiefe der Täler her ergibt das zwar noch nicht gerade den Grand Canyon (der folgt flussabwärts), doch sind die Canyonlands wahrscheinlich etwa gleich schön. Ganz sicher ist das Gebiet weniger überlaufen, da ein Besuch recht aufwändig ist. Lange Autofahrten, extreme Temperaturschwankungen und kaum Wasser – auch nicht auf den Campingplätzen – halten die meisten Leute ab. Auch für uns war es anstrengend, doch auf jeden Fall lohnenswert.

Hierauf entschieden wir uns nach längerer und eher eintöniger Fahrt durch Colorado, Nevada und die Navajo-Nation, unserem Zigeunerleben für ein paar Tage zu entsagen. Stattdessen steuerten wir Las Vegas an, wo es im Anschluss für drei Tage und Nächte etwas gehobener zuging. Wir hatten eine aufregende Zeit, gingen endlich wieder mal in Bars und Discos, ein oder zwei Shows, verzehrten exotische Menüs, bestaunten das irrwitzige Treiben am Strip und verspielten nebenbei natürlich auch ein bisschen Kleingeld… Womit wir beim einzigen Schwachpunkt unserer Zeit in Sin City angekommen wären. Wir haben uns zwar richtig fett und prächtig amüsiert, doch kosteten uns die drei Tage auch in etwa gleichviel wie ein Monat Indien…

Danach folgten wiederum landschaftlich und klimatisch sehr unterschiedliche Stationen. Erstens das Death Valley, welches unterm Meeresspiegel liegt, wirklich ziemlich tot ist und vor allem so richtig heiss… Und gleich danach die auf 2000-3000m gelegenen, fröstelig kalten Ancient-Bristlecone-Pine- und Sequoia-Parks. Wobei im ersten Gebiet die ältesten und im zweiten die grössten Bäume der Welt zu finden sind. Alles ziemlich eindrücklich und per Luftlinie nur jeweils etwa 100Km auseinander…  Und dies ist nun definitiv etwas, was man den USA als Reiseland zugestehen muss. Es mag hier zwar eintönig sein entlang der Hauptverkehrsachsen mit den immer gleichen Kettenrestaurants, Tankstellen und verstaubten Siedlungen. Doch nur ein wenig abseits dieser Katalogzonen findet man immer wieder klimatische, geographische und bisweilen kulturelle Extreme. Für einmal also stimmt das Klischee der unbegrenzten Möglichkeiten…

Liebe Grüsse, Simon

Bilder Moab - Vallejo

Bilder Moab – Vallejo

P.S. Unser nächstes Reiseziel ist nun ebenfalls fixiert und die Flüge gebucht. Bereits am 12. November werden wir nicht mehr in den USA weilen, sondern in einem exotischen kleinen Ort namens Schweiz. Gemäss unsern Recherchen leben dort spezielle und sehr seltene Wesen, die man als Verwandte und Freunde bezeichnet. Etwas also, dass wir auf unserer kleinen Reise bisher noch nicht so recht beobachten konnten. Ausserdem – wie uns Leute verschiedenster Herkunft immer wieder versichert haben – soll der Lebensstandard und die beruflichen Möglichkeiten in diesem gelobten Land so gut sein, dass wir dort dann vielleicht ein wenig länger bleiben werden…

Denver – Salt Lake City

Die längere Beratung mit unseren amerikanischen Freunden in Chicago hat sich gelohnt. Mit dem Zug bis nach Denver und anschliessend per Mietauto weiter in die Rocky Mountains zu fahren, war auch im Nachhinein gesehen ein guter Entscheid. Die Zugfahrt war trotz 18h Dauer eine komfortable Sache und die Great Plains bekamen wir auch so mit. Sie sind great und plain… Der Gedanke, die Strecke selbst zu fahren, verlor seinen Reiz nach ein paar Stunden zusehends staubigerem Flachland also rasch einmal…

Danach frühmorgens in Denver angekommen, holten wir unser künftiges Fahrzeug allerdings recht freudig ab. Und da das bestellte „kleine“ Auto (Toyota Corolla) leider nicht verfügbar war, ergatterten wir uns günstig ein für europäische Verhältnisse ziemlich grosses Teil (Chevy Impala) und brummten darauf mit unverhofften 240 PS los Richtung Boulder, wo wir uns erst einmal mit Campingmaterial und Verpflegung eindecken mussten. Am nächsten Tag ging es dann los Richtung Rocky Mountains Nationalpark, gefolgt von den Grand Tetons und Yellowstone. Und von da weg bekamen wir unsere ersehnte Dosis Natur. Und zwar in einem Ausmass, dass wir so trotz allen bereits gehörten Schwärmereien nicht erwartet hätten.

Erstens sind die erwähnten Parks nämlich ziemlich gross. Yellowstone allein bedeckt beispielsweise etwa ein Viertel der Fläche der Schweiz… Zweitens sind die Parks, abgesehen von ein paar (breiten!) Strassen sowie einigen Zeltplätzen und Unterkünften, auch wirklich frei von Zivilisation und die hiesige Natur überhaupt wirklich ursprünglich erhalten… Drittens sind die Tiere so gut an Besucher gewöhnt, dass man fast garantiert Elche, Bären und Bisons antrifft. Was mit der Zeit ironischerweise schon fast lästig werden kann. Beispielsweise wenn man kochen möchte und eine Elchherde die Feuerstelle blockiert… Und viertens wurde es nachts so kalt, dass wir auch noch im (Halb-)Schlaf stetig daran erinnert wurden, dass wir uns halt eben wirklich in der Wildnis befinden.

Die Zeit insgesamt war grossartig. Von der Elchbrunft in den Rocky Mountains über Hardcore-Trekking in den Grand Tetons bis hin zu den Geysiren, heissen Quellen und Büffelherden des Yellowstone-Parks erlebten wir täglich neue Abenteuer und sammelten fleissiger als sonst unvergessliche Eindrücke. Und nebenbei kamen wir auch immer wieder gut ins Gespräch mit Amerikanern – wobei die meisten halt eher mit Pick-Up-Truck plus 15-Meter-Wohnwagen unterwegs waren und nicht mit Zelt wie wir europäischen Ökospinner – und lernten so das Land und seine Bewohner nochmals ganz anders kennen.

Inzwischen haben wir die Rockies aber bereits wieder verlassen und sind in etwas wärmeren Gefilden. Der erste Schnee machte ein weiteres Campieren unmöglich und ausserdem brauchten wir nach so viel Wildnis auch mal wieder etwas Komfort. Momentan machen wir deshalb Zwischenstation in Salt Lake City und sind bisher positiv überrascht. Die Stadt ist hübsch herausgeputzt, weder zu gross noch zu klein, architektonisch nett und bietet auch im Umland eine Menge. Und als Hauptstadt der Mormonenkirche fehlt es Salt Lake City natürlich auch nicht an Exotik. Wobei die Gläubigen selbst schon fast überfreundliche Gesellen in weissen Hemden (Männer) oder Röcken (Frauen) sind, die Fremden noch so gerne ihre Welt erklären und halt einfach eine ziemlich wilde Vorstellung von Christentum haben… In CH würde man wohl trotzdem Sekte dazu sagen, aber mit dreizehn Millionen Mitgliedern, einem eigenen Staat (Utah) und vielleicht bald einem Präsidenten (Romney) geht das halt nicht mehr so gäbig…

Morgen folgt dann auch bereits die zweite Runde Nationalparks, diesmal mit Schwerpunkt Sandstein…

Liebe Grüsse, Simon

Bilder Denver - Salt Lake City

Bilder Denver – Salt Lake City

New York – Chicago

Mittlerweile sind wir bereits fast einen Monat in der USA unterwegs. Nach problemloser Einreise verbrachten wir ein paar Tage in New York, in feudaler Lage, bei meinem Cousin Marino und seiner Frau Pia. Der Grillabend auf der Dachterrasse mit Aussicht nach Manhattan wird uns in bester Erinnerung bleiben! Wir fühlten uns in New York trotz der Grösse sehr wohl. Die Vielfältigkeit der Stadt genossen wir nach der Asienzeit sehr. Wir besuchten Museen, Parks, unterschiedliche Quartiere, ein Musical, Sehenswürdigkeiten und sogar Conney Island, wo wir auf einer über hundertjährigen Achterbahn aus Holz tatsächlich ein Nervenkitzeln verspürten. Geniale Fahrt;-)

Boston hingegen ist eine im Vergleich kleinere, überschaubare Stadt. Die Mischung zwischen alt und modern ist sehr fotogen geglückt. Im ältesten Restaurant der USA, welches mitten in der Stadt liegt, haben wir frische Austern mit Bier verschlungen. Auch der Auftritt der Blue Man Group sorgte für einen gelungenen Abend der etwas anderen Art…

Ich kann nun sagen, dass in den Staaten tatsächlich alles eine Runde grösser und pompöser ist als in der Schweiz. Bestellt man beispielsweise die kleinste Glace, sieht diese aus wie die grösste bei uns. So geht’s weiter von Fleisch über Einkaufsmeilen bis hin zu den Distanzen…  Nachdem uns die Zugfahrt von New York nach Boston sehr gefallen hatte, mussten wir anschliessend gezwungenermassen aufs Auto umstellen, da wir ja nicht nur an Städten interessiert sind. Die Staaten New Englands haben uns landschaftlich gut gefallen und wir konnten uns wieder einmal durch Wälder per Fuss fortbewegen. Nach dem Wiedersehen mit meinem Bruder, mitten im Nirgendwo New Hampshires, entschloss er sich spontan, uns auf unserem Road Trip bis Chicago zu begleiten. Die Fahrt weit über zweitausend Kilometer gingen wir deshalb für einmal zu dritt an. Nachdem wir die Niagarafälle besucht hatten, machten wir einen Abstecher ins Amish Country, der sich als ein Stück Heimat erwies. Die Schweizer Abstammung der Bewohner war angesichts der Käsereien und Landwirtschaft nicht zu übersehen. Die Leute bewegen sich tatsächlich immer noch mit Ross und Wagen fort, die Männer tragen meist einen Bart und Hut, die Frauen eine Haube. Die Ruhe und die gepflegte Landschaft luden zum Verweilen ein, doch hatten wir leider keine Zeit dazu.

In Chicago angekommen ging es erstmals gleich weiter Richtung Norden zu meiner Kollegin Stefanie und ihrer Familie. Die Zeit mit ihnen im Vorort Grays Lake verging im Schwung und gab uns einen exklusiven Einblick ins amerikanische Alltagsleben. Inzwischen sind wir aber bereits weiter in Chicago, wo wir die Architektur der Stadt bewundern. Morgen geht’s weiter mit dem Zug nach Denver. Dort werden wir dann mit dem Auto weiter fahren durch die Nationalparks zur Westküste.

Bis bald

Christina

Bilder New York - Chicago

Bilder New York – Chicago

Jamaika

Da Jamaika für uns ein eigentlich ungeplanter Zwischenstopp war, kamen wir entsprechend unbedarft im Hafen von Kingston an – und bezahlten natürlich prompt Lehrgeld. Da wir noch keinen Flug gebucht hatten, um die Insel wieder zu verlassen, wurde uns nämlich die Einreise erst einmal verweigert. Na gut, also organisierten wir dies halt, doch dann war wiederum das Migrationspersonal für 6h lang nicht auffindbar. Wie sich später herausstellte, lief bei Olympia halt grad der 200m-Final…

Schlussendlich doch noch in der Stadt angekommen, folgten sogleich die nächsten Überraschungen. Einerseits stellte sich Jamaika als ziemlich teuer heraus – zumal im Vergleich mit Südostasien – und so bekundeten wir grosse Mühe, ein bezahlbares Zimmer zu finden. Andererseits hat Kingston mit karibischem Flair etwa gleich viel zu tun wie Olten mit Après Ski. Es ist vor allem eine grosse, unfreundliche und auch nicht gerade hübsche Stadt, die sich zudem nur schwer erkunden lässt. Zu Fuss kommt man nirgends hin und fühlt sich angesichts des Verkehrs und vieler komischer Leute auch nicht immer wohl. Die Taxifahrer sind mühsame und aggressive Gesellen, die gerne Fantasiepreise verlangen. Und der öffentliche Verkehr blieb uns bis am Schluss ein Rätsel und deshalb ungenutzt. Es mag zwar schon sein, dass es in Kingston spannende Ecken und Anlässe gibt, doch zumindest wir haben sie nicht gefunden…  Und waren von dem her froh, die Stadt nach 3 Tagen per Mietauto wieder verlassen zu dürfen (wenn auch auf der verkehrten Strassenseite).

Danach ging es dann aber glücklicherweise aufwärts. Bereits die nächsten beiden Stationen – Treasure Beach und Belmont – entschädigten uns für den vorgängigen Ärger. Beiderseits nicht gerade auf den üblichen Touristenpfaden gelegen, fanden wir hier freundliche Leute, katalogreife Strände, üppige Vegetation, viele kleine flotte Rumbars und auch die vorher schmerzlich vermisste jamaikanische Leichtigkeit des Seins. Als besonderes Highlight wird uns der Tag in der Rastafari-Gemeinschaft von Belmont in Erinnerung bleiben – übrigens entgegen dem Klischee nicht gerade das allerlässigste Leben. Die Leute sind immerhin Selbstversorger, was auch im tropischen Jamaica nicht so wirklich einfach ist. Ganz zu schweigen davon, dass man als richtiger Rastafari zwar kiffen darf, sich dafür aber strikt vegan ernähren muss. Mit Fleisch, Alkohol, Salz (!) oder bereits verarbeiteten Produkten ist da nix…

Danach folgte ein Halt in Negril, im äussersten Westen der Insel gelegen und bereits wieder einiges touristischer, was uns trotz Bilderbuchstrand wiederum nicht so wahnsinnig faszinierte. Schlicht zu teuer und die Strandverkäufer zu aufdringlich… Wir beschlossen deshalb, uns für den Rest der Reise von Resorts und Partymeilen fernzuhalten und fuhren (trotz vielen grossen Schlaglöchern in den Nebenstrassen) sehr gut mit diesem Entscheid. Den Norden der Insel liessen wir grosszügig aus und verbrachten den Rest der Reise im schönen aber etwas vernachlässigten Bezirk Portland. Hier fanden wir schlussendlich wieder Ruhe, Natur und einige der schönsten Unterkünfte unserer ganzen Reise vor. Und dank etwas Glück und ein paar wirklich netten Bekanntschaften kamen wir auch nochmals ganz nah an Land und Leute ran und konnten spezielle Orte besuchen. Dies war dann so schön, dass wir unseren Jamaika-Aufenthalt insgesamt doch noch als gelungen in Erinnerung behalten werden.

Ja eigentlich können wir Jamaica insgesamt sogar weiterempfehlen. Für gewiefte Reisende. Und man muss wirklich nach Nebenaussen…

Liebe Grüsse, Simon

Bilder Jamaika

Bilder Jamaika

Frachtschiff

Die letzten dreieinhalb Wochen verbrachten wir auf dem Frachtschiff M/S ZIM ONTARIO auf hoher See. Wir haben in dieser Zeit eine Strecke von 18000 Kilometern zurückgelegt und sind also quasi um die halbe Welt gefahren. Unsere Uhren haben wir insgesamt elfmal um eine Stunde vorgerückt und auch die Datumsgrenze haben wir überquert, weshalb wir denselben Tag gleich zweimal nacheinander erleben durften. Nebst Zeit- durchquerten wir auch verschiedene Klimazonen und so froren wir uns Mitte Pazifik nach langer Zeit auch mal wieder einen ab. Die meiste Zeit über blieb die See aber zumindest ruhig, wir hatten keinen Sturm und das Wetter war eigentlich fast immer schön. Umgeben meist nur von blauem Wasser und Himmel betrug die Sicht deshalb bis zu 30 Kilometer. Und auch aus der Nähe sahen wir zwischendurch etwas, beispielsweise Delphine, verschiedene Vögel und Christina zuletzt sogar Schildkröten.

Nebst diesen äusseren Eindrücken sorgten natürlich auch Schiff und Besatzung für Unterhaltung. Unser Kahn entpuppte sich als regelrechte Kleinstadt inklusive eigener Stromversorgung, Kehrichtverbrennung und Trinkwasseraufbereitung.  Das Herzstück jedoch, welches uns die Techniker voller Stolz präsentierten, ist aber sicher der Hauptmotor mit rund 54‘000 PS. Und auch wenn man kein Technikfreak ist, macht es Eindruck, wenn man mit Gehörschutz bei 50°C vor drei Stockwerken voll Motor steht… An die daraus folgende Dauervibration wie auch ans stetige Schaukeln des Schiffs gewöhnt man sich im Übrigen recht schnell. Christina hatte zwar zu Beginn noch Angst, seekrank zu werden. Doch nach gut einer Woche nahm man die Schiffsbewegung dann eigentlich kaum noch wahr.

Was die Besatzung betrifft, so bestand diese aus 23 Mann. Der Kapitän war Pole, drei Offiziere plus der Schiffsmechaniker kamen aus Deutschland und der Rest der Mannschaft bestand aus Philippinos. Und man muss hierzu sagen, die Seeleute sind schon ein eigenes Völkchen. Nicht jedem ist es gegeben, vier bis sechs Monate ununterbrochen auf dem Schiff zu arbeiten. Und die extremen Arbeitsbedingungen machen die Leute ja auch nicht gerade geselliger… Lustigerweise gab es aber just in der kältesten Zeit sogar eine BBQ-Party mit Spanferkel, Bier und Karaoke. So konnten wir wieder einmal etwas feiern und die Leute besser kennen lernen. Wobei es vor allem die Philippinos waren, mit denen wir es an diesem Abend lustig hatten. Die Europäer waren da und auch ansonsten mit einer grossen Ausnahme eher zurückhaltend…

Ansonsten waren für uns die drei Mahlzeiten die einzigen fixen Termine. Den Rest konnten und mussten wir uns selbst einteilen, was aber die meiste Zeit ganz gut ging. Wenn das Meer mal nichts hergab, genossen wir es durchaus, wieder einmal Fernsehen zu können. Wir hatten uns vorgängig mit TV-Serien eingedeckt. Zudem hatten wir auch verschiedene Bücher dabei, die wir uns an der Meeresbrise auf Liegestühlen zu Gemüte führen konnten. Und schlussendlich hatte es auch noch ein Velo an Bord, auf dem wir unsere Fitness zu halten versuchten, da der Platz zum Herumspazieren auf dem Schiff trotz fast 300m Länge dann eben doch beschränkt war. Aber natürlich sind dreieinhalb Wochen eine lange Zeit. Und obwohl man eigentlich immer jemanden zum Plaudern finden konnte, waren wir nach dieser Zeit doch froh, wieder an Land gehen zu können und uns ein wenig unters Volk zu mischen.

Die lange Fahrt übers weite Meer war aber insgesamt sicher eine lohnenswerte Sache. Wir bekamen einen guten Einblick ins rauhe Leben auf See und auch in die Frachtschifffahrt, die ja doch von ziemlich grosser Bedeutung ist. Uns als Schweizern war das Ausmass des maritimen Handels vorgängig gar nicht so richtig bewusst gewesen… Das absolute Highlight war für uns aber sicher der Panamakanal! Die 82 Kilometer lange Strecke mit dem Schiff machen zu können war spannend und eindrücklich zugleich. Man passiert zwischen den beiden Ozeanen drei Werke mit insgesamt sechs Schleusen und der zu bewältigende Höhenunterschied beträgt ganze 26 Meter. Mit acht Zahnradlokomotiven wird das Schiff jeweils durch die Schleusen gezogen und der Seitenabstand beträgt nur wenige Meter, weshalb das  Manövrieren des Schiffs doch ziemliches Können verlangt. Beim Bau des Kanals 1912 hatte sich sicher noch niemand vorstellen können, das die Schiffe einmal so gross sein werden…

Voilà, so haben wir also ein weiteres Transportmittel kennengelernt und freuen uns nun auf karibisches Flair in Jamaica. Wir sind gespannt wie es wird, gut erholt und bereit fürs nächste Abenteuer.

Christina und Simon

Bilder Frachtschiff

Bilder Frachtschiff

Hong Kong

Es gab Zeiten, in denen fand ich das Berner Westside ein ziemlich durchgestyltes Einkaufszentrum und hatte den Eindruck, dass es in Zürich oder Mailand viele schicke Luxusboutiquen, Clubs und Discos gibt… Weiter gab es Momente, in denen mir der Messeturm in Basel ziemlich hoch und die Skyline Frankfurts oder der Pariser Défense eindrücklich erschien…

Nun weiss ich es allerdings besser. Dies alles ist nur Provinz. Gegen Hong Kong sehen unsere europäischen Metropolen aus wie Dällenbach Kari neben David Beckham… Hier gibt es schlichtweg ALLES, dazu meist mehrfach, eine gute Portion grösser und erst noch klinisch sauber gewienert… Wolkenkratzer? Badestrand? Lasershow? Party? Sushi Bar? Disneyland? Wanderwege? Gondelbahn? Kalbsbratwurst? Kägi Fret? Jawoll, haben wir! Sonst noch was?

Erstaunlich eigentlich, dass man bei uns von Hong Kong nicht so wahnsinnig viel hört und wir auch kaum jemanden kennen, der schon mal hier war. So trudelten wir ziemlich unbedarft ins Städtele hinein und sind nun bereits vier Tage lang immer wieder aufs Neue erschlagen von der Wucht, Dynamik und Vielfältigkeit der Stadt. Wenn also jemand noch eine gute Location für ein Neujahrsfest oder einen Polterabend sucht – hier steppt der Bär! Für die Hochzeitsreise hingegen würde ich zumindest den Männern eher abraten. Es hat hier einfach zu viele Shoppingcenter…

Natürlich ist Hong Kong nicht unbedingt ein denkmalpflegerisches oder ethnologisches Eldorado. Ausser ein paar Tempeln und Kirchen steht hier kaum etwas rum, das älter als dreissig Jahre ist und wer irgendwie kann, gibt sich hier westlich-modern. Nur haben wir dies halt auch gar nicht mehr so gebraucht. Ruinen und archaische Sitten haben wir nun weiss Gott genug gesehen und waren wohl auch deshalb sehr zufrieden mit der hiesigen Hypermoderne!

Alles in allem also ein schöner Abschluss für unsere Asienzeit. Morgen gehts  aufs Schiff!

Liebe Grüsse, Simon

Bilder Hong Kong

Bilder Hong Kong

Sarawak/Festland

Unsere Zeit im Gunung Mulu Nationalpark war kurzweilig, da wir relativ aktiv waren. Wir besuchten unter anderem Deer Cave, die grösste Höhle der Welt. Da kommt man sich schon wie ein Zwerg vor. Sie ist einfach riesig und wunderschön mit den Gesteinsformationen und Tropfsteinen.  Es leben tagsüber ungefähr drei Millionen Fledermäuse in der Höhle. Der Geruch lässt zu wünschen übrig. Abends kann man sie dann beobachten, wie sie zu tausenden rausfliegen. Zudem haben wir 1125 Höhenmeter in einer Strecke von 2.4 Kilometern erklommen. Der Ausblick bei den Pinnacles war lohnenswert, trotz danach heftigem Muskelkater in den Oberschenkeln. Schweiss war nur das Vorwort von dem, was wir an Wasser verloren hatten! Zum Glück gab es im Camp 5 einen Fluss zur Abkühlung, ähnlich wie die Maggia, was wir doch sehr genossen haben. Die Anreise zum Camp, dem Ausgangpunkt fürs Trekking, erfolgte per Boot, dass wir aufgrund des niedrigen Wasserstandes x Mal schieben mussten. Hatten zum Glück in KK die berühmten Kampung Adidas gekauft. Es sind Gummischuhe à la Adidas Style, ganz witzig und praktisch! Neben dem Dschungel sahen wir vor allem viele Insekten, Käfer und Schlangen im Park.

Zum Abschluss der Borneoreise verbrachten wir danach noch ein paar Tage in Kuching, von wo aus wir unter andrem auch Tagesausflüge gemacht haben. Kuching ist ein überschaubares Städtchen, mit sehr leckeren Essständen. Wir haben interessante Leute kennengelernt. Mit einem Iraner, Mike, hatten wir spannende Gespräche. Er war zur Rekognoszierung für sein Reisebüro in Teheran in Borneo unterwegs. Er erzählte uns sehr viel übers vielfältige Land, die Leute, Politik und Wirtschaft Irans.

Fürs Festland von Malaysia hatten wir dann nur noch eine gute Woche. Es unterscheidet sich schon deutlich von Borneo. So sind beispielsweise die Strassen gut ausgebaut und Busse gibt es überall hin. Macht das Reisen einfacher und günstiger! Die Multikultur von Malaysia ist schon speziell. Man trifft auf den Strassen vor allem Malay, Inder und Chinesen an. Dadurch ist das Essen sehr vielfältig, da die jeweilige Bevölkerungsgruppe  auch ihre eigenen Restaurants haben. Das beste Tandoori Chicken hatten wir in Melaka und nicht in Indien, schon komisch. Konnten so viele Spezialitäten ausprobieren, was Spass gemacht hat. Die Cameron Highlands brachten etwas Abkühlung, nur noch 20 Grad. Ja ich hatte sogar abends richtig kalt und Lust auf Glühwein und Fondue. Die Vegetation war sehr üppig, von Nadel- und Farnbäumen über Mooswald zu Bananenplantagen, also gut zum Wandern. In Kuala Lumpur hat mir vor allem das moderne Stadtviertel mit den immensen Einkaufszentren imponiert. Die 360° Aussicht vom Merdeka-Tower war eindrücklich.

Liebe Leute zu Hause, ich muss schon sagen, langsam vermissen wir euch schon. Das Reisen kann zwischendurch auch anstrengend und mühsam sein. Die ständige Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten ist manchmal ganz schön nervig. Ich weiss nicht, in wie vielen Betten wir auf unserer Reise schon geschlafen und wie viele Stunden wir im Bus verbracht haben… So freuen wir uns umso mehr, am 15.07.12 an Bord des Frachters gehen zu können. Wir müssen uns dann für drei Wochen um nichts kümmern und haben Zeit unsere Weiterreise zu planen. Werden in Jamaika anfangs August ankommen und die nächste Destination wird dann die USA sein.

Liäbs Grüässli Christina

Bilder Malaysia

Sabah

Momentan sind wir in einem wunderschönen Resort auf der Insel Mabul! Wir sind aufgrund des Tauchens rund um die weltberühmte Insel Sipadan hier gelandet. Mitten in Haien, Schildkröten, Parrotfisch-Schwärmen oder in Hunderten von Barracudas zu schwimmen ist ein Abenteuer für uns. Es ist einfach ein schönes Gefühl, sich schwebend durch die Hängeriffe fortzubewegen…

Ja das „Wildlife“ hier in Malaysia ist schon sehr vielfältig und spannend. Zuvor waren wir im Dschungel am Fluss Kinabatangan, wo wir die Tiere vom Boot aus beobachten konnten. Hier leben ausserdem die kleinsten Elefanten der Welt, sie so ganz nahe zu sehen war süss. Auch diverse Affen konnten wir bei ihrer Schlafplatzsuche beobachten. Meine Favoriten sind ganz klar die Orang Utans, obwohl sie Einzelgänger und deshalb selten zu sehen sind. Wir hatten Glück und sahen auch welche ausserhalb des Sepilok Rehabilitationszentrums für Orang Utans.

Bezüglich des Essens war der Nachtmarkt in Kota Kinabalu spitze. Die Auswahl an frischem Fisch und Meeresfrüchten war gross. Da kann man so richtig Schlemmen! Sonst wirkt die Stadt nicht besonders einladend mit ihren Betonbauten. Da es an einem Tag in Strömen regnete, besuchten wir die Einkaufszentren, was wir doch schon längere Zeit nicht mehr gemacht haben. So konnten wir uns ein paar neue Sachen kaufen, was nach einem halben Jahr auch langsam notwendig wurde!

Eine Schattenseite von Malaysia  ist ganz klar die Monokultur der Ölpalmen. Man kann sich nicht vorstellen wie ausgedehnt die angepflanzt werden. Leider anstelle des Dschungels, was doch sehr schade ist. Ja, wo wird nicht dem Geld zuliebe die Natur zerstört?! Zudem wird uns Malaysia nicht ganz billig kommen, da man hier in Sabah wirklich ausschliesslich nur mit Arrangements die Sehenswürdigkeiten  bestaunen darf. Vieles ist zudem privatisiert, so dass es ganz klar nicht mehr in unser Budget passt… Deshalb werden wir in den kommenden Tagen im Mulu Nationalpark im Nachbarstaat Sarawak unseren Dschungeltrek machen. Es tut ganz gut wieder etwas aktiver zu sein!

Bis bald

Christina

Battambang / Kampot

Nachdem auf unserer bisherigen Reise fast immer nur die Sonne schien oder es zumindest trocken blieb, hat uns der Monsun in den letzten Tagen nun definitiv eingeholt. Alles begann relativ harmlos in Siem Reap mit kurzen Regenschauern gegen Abend und weitete sich danach in Battambang zum Nachmittagsprogramm. In unserer letzten Station Kampot hatten wir dann schliesslich ganztägiges Regenentertainment… Es wurde also zusehends unangenehmer und inzwischen wünschen wir uns ab und zu bereits die Hitze der vorangegangenen Wochen zurück…

Hiervon mal abgesehen erging es uns nach Siem Reap recht gut. Battambang und Kampot erwiesen sich als gemütliche Städtchen mit viel französisch-kolonialem Flair. Schade nur, dass die Kambodschaner dies selbst nicht so zu schätzen wissen und die alten Häuser gerne mit Badezimmerkacheln oder Werbetafeln einkleiden… Also wirklich!

Weiter erkundeten wir beidernorts  die Umgebung und lernten so gerade in Battambang sehr viel über die Zeit des Bürgerkriegs. Es stellte sich nämlich heraus, dass unser Tuk-Tuk-Fahrer als Kind von den roten Khmer zur Feldarbeit und zum Minenlegen eingespannt worden war. Wir fuhren danach quasi seinen Leidensweg nach und erfuhren viel. Zwischendurch schon fast zuviel…

In Kampot dagegen durchkreuzte der Regen unsere Ausflugspläne nachhaltig, so dass anstelle von Trekkingtour und Badeausflug lediglich chinesisches Schach im Café, Motocross-Rollerfahren im Schlamm und Meeresfrüchte vernichten im überdachten Restaurant möglich waren…

Heute sind wir nun bereits wieder zurück in Phnom Penh. Ein letztes Mal können wir also noch französisch essen und Alkohol trinken, bevor es morgen ins muslimische Malaysia geht… Wir freuen uns aber trotzdem auf ein neues Land und natürlich den Dschungel!

Simon

Bilder Kambodscha

Bilder Kambodscha