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Frachtschiff

09/08/2012

Die letzten dreieinhalb Wochen verbrachten wir auf dem Frachtschiff M/S ZIM ONTARIO auf hoher See. Wir haben in dieser Zeit eine Strecke von 18000 Kilometern zurückgelegt und sind also quasi um die halbe Welt gefahren. Unsere Uhren haben wir insgesamt elfmal um eine Stunde vorgerückt und auch die Datumsgrenze haben wir überquert, weshalb wir denselben Tag gleich zweimal nacheinander erleben durften. Nebst Zeit- durchquerten wir auch verschiedene Klimazonen und so froren wir uns Mitte Pazifik nach langer Zeit auch mal wieder einen ab. Die meiste Zeit über blieb die See aber zumindest ruhig, wir hatten keinen Sturm und das Wetter war eigentlich fast immer schön. Umgeben meist nur von blauem Wasser und Himmel betrug die Sicht deshalb bis zu 30 Kilometer. Und auch aus der Nähe sahen wir zwischendurch etwas, beispielsweise Delphine, verschiedene Vögel und Christina zuletzt sogar Schildkröten.

Nebst diesen äusseren Eindrücken sorgten natürlich auch Schiff und Besatzung für Unterhaltung. Unser Kahn entpuppte sich als regelrechte Kleinstadt inklusive eigener Stromversorgung, Kehrichtverbrennung und Trinkwasseraufbereitung.  Das Herzstück jedoch, welches uns die Techniker voller Stolz präsentierten, ist aber sicher der Hauptmotor mit rund 54‘000 PS. Und auch wenn man kein Technikfreak ist, macht es Eindruck, wenn man mit Gehörschutz bei 50°C vor drei Stockwerken voll Motor steht… An die daraus folgende Dauervibration wie auch ans stetige Schaukeln des Schiffs gewöhnt man sich im Übrigen recht schnell. Christina hatte zwar zu Beginn noch Angst, seekrank zu werden. Doch nach gut einer Woche nahm man die Schiffsbewegung dann eigentlich kaum noch wahr.

Was die Besatzung betrifft, so bestand diese aus 23 Mann. Der Kapitän war Pole, drei Offiziere plus der Schiffsmechaniker kamen aus Deutschland und der Rest der Mannschaft bestand aus Philippinos. Und man muss hierzu sagen, die Seeleute sind schon ein eigenes Völkchen. Nicht jedem ist es gegeben, vier bis sechs Monate ununterbrochen auf dem Schiff zu arbeiten. Und die extremen Arbeitsbedingungen machen die Leute ja auch nicht gerade geselliger… Lustigerweise gab es aber just in der kältesten Zeit sogar eine BBQ-Party mit Spanferkel, Bier und Karaoke. So konnten wir wieder einmal etwas feiern und die Leute besser kennen lernen. Wobei es vor allem die Philippinos waren, mit denen wir es an diesem Abend lustig hatten. Die Europäer waren da und auch ansonsten mit einer grossen Ausnahme eher zurückhaltend…

Ansonsten waren für uns die drei Mahlzeiten die einzigen fixen Termine. Den Rest konnten und mussten wir uns selbst einteilen, was aber die meiste Zeit ganz gut ging. Wenn das Meer mal nichts hergab, genossen wir es durchaus, wieder einmal Fernsehen zu können. Wir hatten uns vorgängig mit TV-Serien eingedeckt. Zudem hatten wir auch verschiedene Bücher dabei, die wir uns an der Meeresbrise auf Liegestühlen zu Gemüte führen konnten. Und schlussendlich hatte es auch noch ein Velo an Bord, auf dem wir unsere Fitness zu halten versuchten, da der Platz zum Herumspazieren auf dem Schiff trotz fast 300m Länge dann eben doch beschränkt war. Aber natürlich sind dreieinhalb Wochen eine lange Zeit. Und obwohl man eigentlich immer jemanden zum Plaudern finden konnte, waren wir nach dieser Zeit doch froh, wieder an Land gehen zu können und uns ein wenig unters Volk zu mischen.

Die lange Fahrt übers weite Meer war aber insgesamt sicher eine lohnenswerte Sache. Wir bekamen einen guten Einblick ins rauhe Leben auf See und auch in die Frachtschifffahrt, die ja doch von ziemlich grosser Bedeutung ist. Uns als Schweizern war das Ausmass des maritimen Handels vorgängig gar nicht so richtig bewusst gewesen… Das absolute Highlight war für uns aber sicher der Panamakanal! Die 82 Kilometer lange Strecke mit dem Schiff machen zu können war spannend und eindrücklich zugleich. Man passiert zwischen den beiden Ozeanen drei Werke mit insgesamt sechs Schleusen und der zu bewältigende Höhenunterschied beträgt ganze 26 Meter. Mit acht Zahnradlokomotiven wird das Schiff jeweils durch die Schleusen gezogen und der Seitenabstand beträgt nur wenige Meter, weshalb das  Manövrieren des Schiffs doch ziemliches Können verlangt. Beim Bau des Kanals 1912 hatte sich sicher noch niemand vorstellen können, das die Schiffe einmal so gross sein werden…

Voilà, so haben wir also ein weiteres Transportmittel kennengelernt und freuen uns nun auf karibisches Flair in Jamaica. Wir sind gespannt wie es wird, gut erholt und bereit fürs nächste Abenteuer.

Christina und Simon

Bilder Frachtschiff

Bilder Frachtschiff

From → Ozean

3 Kommentare
  1. Avatar von Adi
    Adi permalink

    einfach nur wow! da wäre ich auch gerne mitgefahren! auch die panamakanal-querung sieht spannend aus – nun freue ich mich auf euren bericht aus jamaica…
    liebe grüsse, adi

  2. Avatar von maria
    maria permalink

    Hoi ihr zwei, das tönt wirklich abenteuerlich, die Ozeanüberquerung. Muss dann wohl ganz ein neues Gefühl sein, wieder Land unter den Füssen zu haben. Dann würd ich mal sagen, Regae ist angesagt:-)umarmung, m

  3. Avatar von Stefan Hopf
    Stefan Hopf permalink

    Eine ganz tolle Reise erlebt ihr zwei da! Ich bin richtig stolz und zugleich auch einwenig „eifersüchtig“! – Danke für deine interessante Reportage, Simon! Gell, es hat sich gelohnt!
    Auch die Bilder sind „Eins A“!!! – Uae pS

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