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Backwaters

06/02/2012

Kein Ort in Indien, welchen wir bisher besucht haben, wurde uns von so vielen Leuten so nachdrücklich empfohlen wie die Backwaters – ein Wirrwarr von Süsswasserseen und Kanälen direkt hinter der tropischen Küste Keralas. Folgsam und brav wie wir sind, haben wir uns deshalb extra viel Zeit genommen, uns alles ganz genau angesehen und für einmal auch fast jedes mögliche touristische Angebot ausprobiert, von der Hausbootfahrt bis zum klassischen Theater- und Volkstanzabend…

Letzteren besuchten wir zusammen mit Horden älterer Pauschaltouristen in Kochi, einer alten Kolonialstadt und Startpunkt unserer Backwaters-Erkundungstour. Und es hat sich durchaus gelohnt. Nur schon das Schminken der Kathakali-Schauspieler würde jeden Guggenmusikanten vor Neid erblassen lassen und die Körperbeherrschung und Mimik der Schauspieler während der Tänze war eindrücklich. Die Story handelte im Übrigen von einem Prinzen, der um die Ehre seiner Frau zu retten einen bösen König töten und mit dessen Gedärmen die Haare seiner Angetrauten waschen musste… Und auch die anschliessend auftretenden Tempeltänzerinnen beherrschten ihr Metier, verrenkten sich sehr anmutig und könnten sicher locker mit Shakira mithalten…

Weiter haben wir in Kochi auf dem Markt Fisch, Scampis und einen fetten, lebendigen Krebs gekauft und uns anschliessend vor Ort bräteln lassen, was auch ein nachhaltiges Erlebnis war. Allerdings ist so ein Krebs etwas mühselig zum Öffnen… Und schlussendlich übernachteten wir in Kochi auch sehr exklusiv, nämlich in dem Haus, in dem Vasco da Gama vor 400 Jahren verstorben ist. Es gibt also wirklich üblere Orte, um das Zeitliche zu segnen, denn die ganze Wohnung hatte Stil und war sehr schön möbliert.

Richtig schön hatten wir es auch später wieder auf besagter Hausbootfahrt bei Kollam. Die Landschaft und das Dorfleben vom überdachten Panoramadeck des eigenen Bootes zu beobachten ist natürlich an sich ziemlich feudal und cool. Weiter waren auch noch eine Kanufahrt durch etwas engere Wasserwege, ein tolles Abendessen sowie ganze drei Mann Besatzung inklusive. Wir waren also definitiv schon länger nicht mehr so umschwärmt…

Danach waren wir zwei Tage lang mit Fähren unterwegs und reisten so über das sehr geschäftige und weniger hübsche Allepey ins beschaulichere Kottayam. Hier liessen wir es uns anschliessend 3 Tage lang in einer Pension mit Familienanschluss inmitten von Reisfeldern und kleinen Kanälen gut gehen… Der hiesige Einblick ins sehr entspannte, farbige und fröhliche Dorfleben hat uns wiederum sehr gut gefallen. Und dass sich alles rund ums Wasser abspielte und es kaum Strassen gab, war natürlich zusätzlich eindrücklich und wird uns Landratten unvergesslich bleiben…

Das Fazit nach 8 Tagen Intensiv-Backwatering lautet also: Es ist tatsächlich so schön hier wie alle behauptet haben! Man muss dem  jedoch anfügen, dass die Idylle wirklich nur abseits der grösseren oder touristischen Ortschaften zu finden ist, in den kleineren Dörfern und überhaupt der Natur. Die Zentren sind so lärmig und hässlich wie sonstwo und leider auch ziemlich traurig verdreckt. Es wurde uns vor allem während der Bootsfahrten auf den grösseren Kanälen immer wieder leicht übel angesichts der Umweltverschmutzung und man muss auch dies erwähnen, nebst all den hiesigen Herrlichkeiten…

Inzwischen sind wir nun schon wieder etwas weiter. Und zwar in Kumily nahe dem Periyar-Tigerschutzgebiet, welches aber eher für seine tausend(!) wilden Elephanten bekannt ist und haben auch bereits eine erste Exkursion in den Park hinter uns. Leider haben wir aber in erster Linie Wildschweine, Affen und zwei verliebte Schlangen gesehen, die Elephanten selbst jedoch erst für wenige Sekunden… Wir werden deshalb morgen nochmals einen Versuch wagen, dieses Mal jedoch mit Dschungelübernachtung und allem Drum und Dran!

Der Bericht hierüber wie auch der Rest der Fotos folgt allerdings später. Wir haben nämlich so viele Bilder geschossen, dass wir mit Auswählen und Sortieren kaum nachkommen…

Und vielen Dank an alle für die Kommentare und Grüsse, wir freuen uns immer sehr über jedes Lebenszeichen!

Simon

From → Indien

2 Kommentare
  1. Avatar von Stefan Hopf
    Stefan Hopf permalink

    Hola Christina und Simon
    Ob es diesmal klappt euch ein „Fitback“ zu geben? Lasse mich überraschen und schreibe einfach einmal wieder! – Das muss ja wirklich eine tolle und so vielfältige Reise sein! Danke herzlich für die interessanten Beschreibungen! Ich kann gerade mitleben!
    Hier hatten wir gestern morgen -18°C und über Tag bei wunderbarem Sonnenschein -10°C!
    Alles, alles Gute weiterhin, gepaart mit Frohsinn und Neugier!
    Un beso grande papá, Stefan

  2. Avatar von Gabriel
    Gabriel permalink

    Danke für den tollen Bericht, bin auf die Fotos gespannt 🙂
    Hört sich wirklich spannend an und mittlerweile seit ihr – wie ich auf der Karte gesehen habe – bereits fast am Spitz von Indien angelangt.

    Weiterhin Viel Spass und ä liebe Gruss us dr chalte Schwiiz, zurzit agnähmi -15 Grad; ja nid öppe +15… 😉
    Gabriel

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