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Mysore

16/01/2012

Nach unserer Auszeit in Goa wurde uns relativ schnell  wieder bewusst, dass wir uns noch in Indien befinden und eben nicht an der portugiesischen Küste. Nach fast 10 Tagen Entspannung hätte man dies fast meinen können. Doch spätestens am Bahnhof war es mit der Ruhe und Beschaulichkeit Goas wieder vorbei und es empfing uns die übliche indische Bahnhofshektik mitsamt typischem Geschrei, Gerüchen und Gedränge…

7 Stunden nicht nur landschaftlich denkwürdige Zugfahrt (inklusive permanenter Verteidigung unseres hart erkämpften Sitzplatzes), eine überteuerte Rikschafahrt sowie eine Flussueberquerung mit überladener Fähre später trafen wir aber schliesslich doch noch wohlbehalten in Hampi ein, unserer ersten Station im schönen Bundesstaat Karnataka.

Wobei Hampi selbst eigentlich nicht viel mehr ist als ein kleines Dorf mit Touristenunterkünften, doch liegt es inmitten der Ruinen von Vijayanagar, der vor 400 Jahren zerstörten Hauptstadt des letzten grossen Hindukönigreiches Indiens. Und was noch fast wichtiger ist, die Landschaft ist unglaublich schön und  eindrucksvoll. Abgeschliffene Felsbrocken, zum Teil hausgross, liegen aufgetürmt zu Hügeln Zwischen Reisfeldern, Bananenplantagen, Flüssen und eben auch Ruinen. Wirklich sehr schön, insofern man sich nicht an den vielen schrägen Hippietouristen stört…

Und für Simon, der sich seit Jahren dafür schämt, dass er den Schneidersitz nicht wirklich beherrscht und es kaum 5 Minuten aushält ohne Positionswechsel, war es zudem sehr beruhigend zu erfahren, dass sogar der Göttervater Shiva in seiner Inkarnation als Löwenmensch dieselben Probleme hatte und sich deswegen mit einem Gürtel behalf…

Nach drei Tagen Hampi ging es dann abermals per Zug und über Nacht weiter nach Bangalore, wo wir aber nur einen Tag verweilten, bevor wir nach Mysore weiterzogen. Bangalore ist aufgrund des Informatikbooms eine sehr reiche Stadt und daher leider auch nicht wirklich spannend für den interessierten Reisenden. Alles ist möglichst modern, die Geschäfte sind in etwa dieselben wie bei uns und auch ansonsten gibt man sich so westlich wie möglich. Es gibt dafür aber auch alles, was man sonst in Indien vermisst, von Barilla-Teigwaren über Lindt-Schokolade und Familia-Müesli…

Lustig war aber zumindest das hygienisch fragwürdige Restaurant Amoeba (vgl. Photo) – Guten Appetit!

Inzwischen – in Mysore – weht  allerdings schon wieder ein anderer, ursprünglicherer  Wind. Hier spürt man noch gut den Geist der Maharajas, die die Stadt bis vor 50 Jahren beherrschten. Die herrschaftlichen Bauten dominieren nach wie vor das Stadtbild und der Palast des Maharajas selbst stellt locker alles in den Schatten, was man sich unter 1001-Nacht ansonsten so vorstellt. Nur schon der Elefantensessel des Maharajas enthält 84 Kg Gold und auch ansonsten scheint jedes Detail des ganzen Komplexes schlicht aus dem jeweilig teuersten Material gemacht, das überhaupt in Frage kam.

Es gibt allerdings – wie so oft – auch einen Wermutstropfen bezüglich des Palasts… Man darf ihn nämlich nur von aussen fotografieren, was natürlich wahnsinnig schade ist. Und als Simon bemerkte, dass Handykameras komischerweise erlaubt sind und die Inder alle fotografierten wie die Blöden, machte er sich beherzt auf zum illegalen Fotoshooting, welches allerdings bereits nach dreissig Sekunden und nur einem Bild von den Sicherheitskräften des Palasts beendet wurde. Alles Argumentieren nützte nichts und der kollegiale Umgangston des Beamten täuschte: Ein saftiges Schmiergeld wurde fällig, um Kamera und Simon vor der indischen Polizei zu retten, weshalb das abschliessende Bild des Hochzeitssaals wohl das teuerste dieser Reise ist und wohl auch bleiben wird…

Als nächstes wollen wir nun erst einmal wieder aufs Land. In den Hügeln von Coorg soll man nett wandern können. Wir sehen uns das Mal an…

Bilder Karnataka

From → Indien

3 Kommentare
  1. Avatar von Unbekannt
    Anonymous permalink

    suedostaseinereisende….wir sind bereits seit ueber einer woche in asien…..die tempel von angkor waren beindruckend…der treck in chiang mai abendteuerlich…leider waren mam und ich nicht rivereaften…..die beiden andern schisshasen wollten nicht aufs wasser…haben es aber sehr genossen. morgen gehts weiter in den sueden, nach ko lanta. da sind wir euch sehr nahe. mam wird mal rueberschauen mit ihrem feldstecher…winkt schoen!! gut wurde simon nicht von der indischen polizei geschnappt, haetten sonst umbuchen muessen. mam und peter sind bestens asientauglich und geniessen es hier.
    die liebsten gruesse an euch beiden und bis bald wieder per mail

  2. Avatar von Adi

    hallo ihr beiden!
    jedes mal freue ich mich über euren schönen fotos und erzählungen, sie wecken bei mir wieder das fernweh!
    geniesst den – nicht immer einfachen – „indian way of life“ weiterhin und seid gegrüsst aus der nass-grauen heimat.
    adi

  3. Avatar von maria
    maria permalink

    toll, toll, toll…würd ich glatt ne woche ferien buchen, in diesem prunk-palast

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