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Phnom Penh / Siem Reap

Unsere Zusatzschleife durch Kambodscha führte uns bisher in die Hauptstadt Phnom Penh und anschliessend für knapp fünf Tage nach Siem Reap, nahe des historischen Angkors.

Phnom Penh erwies sich hierbei trotz durchaus vielversprechender Anfahrt per Boot als insgesamt wenig inspirierend. Sei es nun der Palast, die grösseren Tempel, die Boulevards oder auch die Parks, irgendwie haben wir alles schon irgendwo in schönerer Ausführung gesehen. Und auch die momentan ziemlich rege Bautätigkeit gibt angesichts der Qualität der bereits bestehenden Neubauten nicht unbedingt Grund zur Hoffnung…

Zusätzlich gäbe es zwar zumindest bezüglich der (wenig ruhmreichen) Herrschaft der roten Khmer einiges zu sehen und zu erforschen. Doch sollte man nicht erwarten, dass die Museen und Schauplätze entsprechend gepflegt werden und Erläuterungen in Englisch gibts schon mal gar nicht. Überhaupt ist der Umgang mit der Vergangenheit hier teils ziemlich fragwürdig. Oder wie findet ihr die Idee, mit Originalwaffen aus dem Bürgerkrieg schiessen zu gehen? Pro Schuss ein Dollar…

Na ja, zumindest waren die Leute freundlich und sowohl Unterkünfte als auch Verpflegung sind gut und günstig. Wenn man aber nicht gerade zum ersten Mal in Südostasien oder auf der Suche nach käuflicher Zuneigung ist, kann man sich Phnom Penh auch getrost schenken…

Siem Reap respektive die Ruinen von Angkor dagegen spielen in einer anderen Liga. Hier hat es uns trotz schwülem Wetter und einer grossen Anzahl grenzdebiler Pauschaltouristen sehr gut gefallen. Und allein hierfür hat sich unser kambodschanischer Schwenker denn auch bereits gelohnt. Die verfallene Hauptstadt der alten Khmer stellt alles in den Schatten, was wir bisher an antiken Stätten besucht haben. Und auch wenn viel geplündert und unsachgemäss renoviert wurde –  das Verbliebene ist immer noch gewaltig. Nur schon die Ausmasse der  verschiedenen Anlagen lassen einen leer schlucken und angesichts der Kunstfertigkeit, mit der einzelne Details in Sandstein verewigt wurden, kommt man nicht umher, das Berner Münster künftig als Amateurwerk zu betrachten…

Besonders in Erinnerung bleiben wird uns wohl die Konzeption der grössten Tempel  als multireligiöse Bauwerke – und das im Jahr 1100! Und weiter sicher auch die Einsicht, dass ein Tag frühsommerliche Ruinenschau in Angkor eine ziemlich anstrengende Sache ist. Die Nachmittage verbrachten wir entsprechend jeweils halbtot im klimatisierten Zimmer… Bei aller Bewunderung hätte ich also nicht zu denjenigen gehören wollen, die in diesem Klima einen Tempel bauen durften! Den Bau befehlen und danach vom Palastbalkon aus zuschauen hätte hingegen sicher Spass gemacht…

Abschliessend zu vermerken wäre nun noch, dass die „toten Nachmittage“ in Siem Reap wenn schon eher freudlos, so doch zumindest nicht ganz fruchtlos geblieben sind. Die Recherche für unser Projekt, die Strecke Südostasien – Amerika per Frachtschiff zu bewältigen, machte grosse Fortschritte. Insofern alles klappt wie geplant, werden wir nun also am 15.07. von Honkong aus ins Meer stechen und 22 Tage, 3 Containerhäfen und einen Panamakanal später in Kingston/Jamaika wieder anlanden…

Juhui! Oder vielleicht besser: Ahoi!

Liebe Grüsse, Simon

Südvietnam

Unsere Vietnamreise neigt sich dem Ende zu. Mittlerweile sind wir im Mekongdelta angekommen. Das Leben hier unterscheidet sich schon vom Rest des Landes. Sehr vieles spielt sich auf dem Wasser ab, wie beispielsweise die Floating Markets. Es ist ein einmaliges Schauspiel, so frühmorgens durch die beladenen Boote zu fahren. Frischer Kaffee fehlt nicht (es gibt hier erstaunlicherweise sehr guten) und die Einheimischen trinken ihn gerne schwarz mit Zucker und viel Eis. Die Landschaft ist rund ums Wasser sehr grün mit vielen Palmen, diversen Gemüsen und natürlich Reisfeldern. Leider sind die Städte im Mekong Delta mehrheitlich nur noch über den Landweg miteinander verbunden. Wir wären gerne auch per öffentlichem Schiff über längere Distanzen gereist. Ist halt der Nachteil, wenn überall Brücken gebaut werden…

Das individuelle Reisen ist auch in Südvietnam nicht ganz einfach. Überall werden Touren angeboten, Information zu Busverbindungen findet man jedoch kaum. So haben wir zwischendurch auch Roller und Velos gemietet und sind auf eigene Faust losgefahren. Meistens gab es eine selbst kreierte Karte von den Vermietern, was hilfreich war, aber nicht immer ausreichend. Wir haben aber jeweils immer zurück gefunden, auch wenn kaum jemand Englisch spricht.

In Ho Chi Minh Stadt haben wir unter anderem chinesische Tempel und den chinesischen Markt besucht und super lecker gegessen. Einer meiner Favoriten frische Frühlingsrollen mit Krevetten und Nudelsuppe. Man kann schon sagen, dass die vietnamesische Küche sehr vielseitig ist. Hier wird praktisch alles gegessen, von Schlangen über Ratten, Schnecken bis hin zu Innereien. Besteck gibt es ausser den Stäbchen und Suppenlöffeln nichts, weshalb wir nun problemlos eine Schale Reis mit dem Stäbchen verzehren können. Wir haben uns auch noch ein wenig mit der Geschichte Vietnams auseinander gesetzt. Das Kriegsdelikte Museum gab uns eine eindrückliche Übersicht. Es ist schon verrückt, dass Vietnam vor nicht allzu langer Zeit so heftige Kriege überstanden hat. Die Städte und Dörfer sind neu aufgebaut und die Felder neu bewirtschaftet, so dass man kaum noch Überreste sehen kann.

Auch der Strand fehlte uns in Vietnam nicht. Wir konnten nahe dem Städtchen Hoi An noch eine Erfrischung im Meer geniessen. Hoi An ist so richtig ein romantisches Bilderbuchstädtchen. Abends leuchten überall die farbigen Seidenlampions, was sehr schön aussieht. Neben all den schönen Momenten in Vietnam, muss ich aber auch sagen, dass mir die Vietnamesen nicht sehr sympathisch geworden sind. Ein Lächeln sieht man selten und der Umgang mit Fremden ist eher aufdringlich. Ausnahmen gab es, aber alles in allem werde ich die Leute nicht so vermissen…

Kurzfristig haben wir unsere Reisepläne noch etwas geändert und werden nun doch für zwei Wochen nach Kambodscha gehen, da es ja so nahe liegt und Angkor Wat doch einmalig sein muss! Christina

Bilder Vietnam

Bilder Vietnam

Nordvietnam

Zwei Wochen sind wir nun also schon in Vietnam und haben bereits wieder einiges erlebt. Die Eingewöhnung fiel uns dieses Mal recht leicht, wobei  es uns natürlich geholfen hat, dass wir nun doch immerhin schon zwei Monate in Südostasien rumhängen… Eine ganz neue Welt ist Vietnam also nicht und auch ansonsten ein recht zugängliches, gut organisiertes Land, in dem man sich schnell zurechtfindet. Entsprechend trifft man hier auch ziemlich viele Reisende an, die lediglich für ein paar Wochen herfliegen. Für uns ein gänzlich neues Phänomen…

Die ersten Tage verbrachten wir in der Hauptstadt Ha Noi, die recht hübsch und sauber herausgeputzt ist und über viele Seen und Parks auf Stadtgebiet verfügt. Andererseits kommt Ha Noi gebäudetechnisch ziemlich eintönig daher und ist nur mit wenigen architektonischen Highlights gesegnet. Die Bombardements zweier Kriege haben einfach nicht viel Sehenswertes übrig gelassen…  Garantiert erlebenswert ist hingegen wiederum der Verkehr, denn es hat wirklich, wirklich, wirklich viele Roller auf den Strassen und die Fahrkünste der Vietnamesen variieren zwischen unfähig, autistisch und kampfbetont. Dementsprechend hatten wir es als Fussgänger nicht immer leicht…

Besserung in dieser Hinsicht und auch bezüglich der weiterhin mörderischen Temperaturen versprachen wir uns in der Folge von einem neuntägigen Trip in die Berge und an die Küste. Diesen hatten wir ausnahmsweise einmal komplett über eine Agentur gebucht, da zum einen die vietnamesische Tourismusindustrie nicht wirklich auf Individualreisende eingerichtet zu sein schien und zum andern wieder einmal Feiertage bevorstanden und ohnehin jedes Transportmittel auf Tage hinaus ausgebucht war. Wir erhofften uns hiervon einiges, das Ganze kostete ja immerhin auch 25 Millionen Dong…

Unser Fazit nach neun Tagen Rundum-Sorgenfrei-Programm fällt allerdings etwas zwiespältig aus. Einerseits gefielen uns die grünen Landschaften, die Reisterassen und die hübschen Dörfer des Nordens sehr. Und auch an der Küste machten die Felsformationen der Ha Long Bucht mächtig Eindruck. Andererseits mussten wir aber auch feststellen, dass es eine geführte Tour über eine so lange Zeit für uns nicht wirklich bringt. Die ersten Tage freuten wir uns zwar noch darüber, für einmal nicht selbst alles organisieren zu müssen und genossen den ungewohnten Komfort. Mit der Zeit aber nervten uns die fixen Zeiten, die vorgegebenen Menüs und die ständigen Wartezeiten zwischendurch. Glücklicherweise aber bekamen wir im ersten Teil einen guten Guide zugelost und trafen insgesamt auf wirklich interessante und angenehme Mitreisende, was das Ganze letztendlich gerettet hat.

Inzwischen sind wir nun aber bereits wieder einige Tage alleine unterwegs und haben noch zwei weitere Stationen absolviert. Zum Ersten das Provinzstädtchen Ninh Binh, dessen schöne Umgebung wir mit dem Roller abgeklappert haben. Zum Zweiten die alte Kaiserstadt Hue. Diese verfügt über ein paar irrwitzig grosse Kaisergräber, welche eher Reservepalästen gleichen, komplett mit Parkanlagen, Tempeln und auch Wohnraum für die Ehefrauen während der Trauerzeit…  Daneben haben wir heute die ehemalige demilitarisierte Zone besucht und von einem alten Veteranen ein Bisschen etwas über den „amerikanischen Krieg“ gelernt, was doch ziemlich eindrücklich war.

Morgen wird es für uns nun weiter Richtung Süden gehen. Zuerst nach Hoi An und danach in Richtung Mekongdelta, von wo aus wir uns dann sicher wieder melden werden.

Liebe Grüsse, Simon

P.S. Falls sich jemand von Euch einmal im Leben dem totalen Fleischfressrausch hingeben möchte, dann wäre Vietnam wohl erste Wahl. Das typische vietnamesische Mahl scheint mindestens drei verschiedene Sorten Tier zu enthalten, wobei Speck nicht mitgezählt wird…

Merci

Vielen Dank für alle eure Geburtstagsglückwünsche! Ich hatte einen wunderschönen Tag. Wir waren Tauchen und Simon hat mich mit einer Geburtstagstorte überrascht:-)

Morgen gehts weiter nach Vietnam. Jupi, wir sind wieder im Reisealltag!

Ganz liebi Grüess us dr Hitz,

Christina

Koh Tao

Anschliessend an unseren intensiven Abstecher nach Myanmar waren wir im wahrsten Sinn des Worts reif für die Insel. Gut also, dass wir uns rein zufälligerweise in Thailand befanden. Das grösste Problem war deshalb lediglich, sich für ein bestimmtes Eiland zu entscheiden.

Unsere Wahl fiel schlussendlich auf Koh Phayam, eine kleine Insel in der Andamanensee, die touristisch noch nicht wahnsinnig erschlossen ist. Zu tun gab es ausser baden, essen und lesen nicht viel, doch kam uns dies wie gesagt ziemlich gelegen. Die erste Woche verbrachten wir quasi ausschliesslich zwischen Hängematte und Strand, bevor wir uns in der zweiten Hälfte unseres Aufenthalts einen Roller mieteten, um bequemer zu den etwas entfernteren Restaurants und Läden gelangen zu können.

Die Insel selbst besteht zum grössten Teil aus Dschungel und die Küsten sind gesäumt von weissen Sandstränden. Autos gibt es noch keine, Strom nur stundenweise und die Unterkünfte sind in der Mehrzahl noch schlichte Bungalows mit Blick aufs badewannenwarme Meer. Es ist auf Koh Phayam also wirklich sehr idyllisch und wir könnten uns gut vorstellen, wieder einmal hinzugehen. Einzig die Moskitos geben Punkteabzug und für ein nächstes Mal würden wir einen  grossen Vorrat an Mückenspray in Schweizer Qualität einpacken…

Inzwischen befinden wir uns jedoch bereits auf Koh Tao, welches im Golf von Thailand liegt. Auch hier ist es sehr schön, allerdings auch viel touristischer, was wir aber auch geniessen. Hier haben wir am 13. April auch Songkran gefeiert, das thailändische Neujahrsfest, welches vor allem aus Strassenwasserschlachten und Trinken besteht. Trocken kommt man da eigentlich nirgends hin, alles ist bis zu den Zähnen mit Eiswasser und Farben bewaffnet und an sich wars recht lustig.

Da wir nun genügend Zeit hatten, wieder einmal ein wenig zu lesen und uns mit unserer Weiterreise zu beschäftigen, können wir nun auch sagen, wie es nach Thailand weiter gehen wird. Und zwar werden wir am 25. April nach Hanoi in Vietnam fliegen. Danach wird unsere letzte Destination in Asien wohl voraussichtlich Malaysia sein.

Das Beste zum Schluss: Seit gestern steht uns die Welt bis 18m unter Null zur freien Verfügung! Da haben wir nämlich beide den PADI-Open Water Diver bestanden und können nun weltweit unter Wasser blöterlen gehen, wenn uns der Sinn danach steht.

Das Tauchen macht übrigens wirklich Spass. Unglaublich, was man da alles sehen kann…

Simon und Christina

Bilder Thailand

Myanmar

Min guh la ba!

Ach wie doch die Zeit vergeht… bereits ist wieder ein Monat vorbei, unsere Zeit in Myanmar ebenso und Thailand hat uns bereits wieder. Viel von uns gehört habt ihr ja in dieser Zeit nicht gerade. Nicht, dass nichts passiert wäre. Doch wie wir bereits ein wenig erwartet hatten, gab das Internet in Myanmar nicht viel her. Dafür folgen nun aber gleich zwei Berichte. Je einer von uns beiden. Wir waren nämlich jeder für sich immer ein wenig am Schreiben und behalten dies nun gleich bei.

Bericht Christina

Myanmar ist tatsächlich das goldene Land. Noch nie haben wir so viel „echtes“ Gold gesehen! Da man nur 28 Tage bleiben kann, hatten wir ein vollgepacktes Programm. Wir haben sehr viel erlebt in dieser Zeit, deshalb möchte ich nur einige Erlebnisse erläutern.

Abenteuerlich hatten wir es im reizvollen Bergdorf Namhsan auf 1700m.ü.M. Schon die Busfahrt wird uns für immer in Erinnerung bleiben. Der Abfahrtsort des Privatbusses war bei einem Kloster irgendwo in Mandalay. Für dreizehn Stunden waren wir dem mit Lebensmitteln und ca. siebzig ausschliesslich einheimischen Leuten hoffnungslos überladenen Bus ausgeliefert. Die Gerüche, unter anderem getrockneter Fisch und frische Kotze…  unvergesslich. An Schlaf war für uns kaum zu denken, da es sehr holprig vorwärts ging und die Bewegungsfreiheit vor allem der Beine sehr eingeschränkt war. Schlussendlich in Namhsan angekommen, blies uns ein sehr frischer Wind entgegen. Den kalten Regentag verbrachten wir vor einem kleinen Feuer eingepackt in unsere warmen Kleider inklusive Thermosunterwäsche. Unser Plan war es, in drei Tagen hinunter nach Hsipaw zu Trekken. San Tea, unser Guide, lud uns erstmal zu seinem Haus ein, wo er mit seiner Frau und ein Teil seiner Grosskinder lebt. Man kann sich fast nicht vorstellen, wie einfach all diese Menschen leben. Da gibt es einen grossen Raum mit einem Altar, Bambusmatten und sonst nichts. Teilweise haben sie noch einen Tisch, Bettgestelle, Decken und ein TV. Die Küche ist in einem separaten Raum bestehend aus einer Feuerstelle,  Töpfe, Teller Tassen und ein paar Lebensmitteln. Eingeladen wird man stets zu Grüntee, der immer und überall bereit steht.  Leider musste ich dann auf den Trek verzichten, da mich eine üble Darmgrippe lahmlegte.

So ursprüngliche und vielfältige Märkte wie es in Myanmar überall hat, habe ich noch nirgends gesehen.  Von überall her kommen die Leute mit Ihrer Ware, seien es einfach Blumen, Kräuter, Fisch oder mehrere Gemüsesorten, um sie dann zu verkaufen. Der Markt ist ein zentraler Ort, zu dem alle hinströmen, um die notwendigen Lebensmittel zu kaufen.

Die Burmesen sind ausgesprochen freundliche hilfsbereite und hübsche Menschen. Von überall her wird einem zugewunken, sei es jung, alt, Mann, Frau oder Kind. Nur auf dem Schwarzmarkt beim Geld wechseln wurden wir arg hintergangen, obwohl die Aufmerksamkeit von uns sehr hoch war. Zum Glück kann man unterdessen an vielen Orten problemlos Geld wechseln.

Ja mit dem Geld ist es in Myanmar schon sehr speziell. Einerseits muss man nigelnagelneue, faltenlose Dollarnoten mitbringen. Anderseits bekommt man dann meist nur uralte Kyat dafür. Unterkünfte werden praktisch immer in Dollar bezahlt und sind meist überteuert bezüglich des Standards und erst recht im Verhältnis zu den Lebensmitteln. Die einfachen Doppelzimmer sind fast immer um die 20 Dollar. Lebensmitteln  hingegen werden immer in Kyat bezahlt und eine Hauptmahlzeit bekommt man schon um die drei Franken. Am billigsten hatten wir einmal eine leckere Nudelsuppe mit doppeltem Whisky für insgesamt achtzig Rappen. Die höchste Note ist 5000 Kyat und etwa sechs Franken wert. So könnt ihr euch vorstellen, mit wie dicken Geldbeuteln wir unterwegs waren. Direkt nach dem Geldwechseln hatten wir locker 500`000 Kyat im Sack.

Einen sehr  idyllischen Ort fand ich die Umgebung des Inle Lake. Per Velo und Boot erkundeten wir die Gegend. Die Floating Gardens schwimmen tatsächlich frei und sind voll in Gebrauch. Die Gärten werden jedoch mit Bambuspflöcken befestigt, damit sie bei Wind oder Wellengang nicht davon treiben. Vielerorts steht das halbe Dorf über dem Wasser und kleine Kanus verbinden alles miteinander.

Ich bin glücklich und froh Myanmar, das Land der Gegensätze, bereist zu haben.

Bericht Simon

Myanmar ist in fast jeder Hinsicht eine extreme Destination, dies wird einem als Besucher sehr schnell bewusst. Klima, Transport, Essen, Sprache, Schrift, Menschen und nicht zuletzt die Politik. Alles ist sehr eigen…

Jahrzehntelang aufgrund der Misswirtschaft eines stümperhaften Militärregimes völlig isoliert vom Rest der Welt, hat das Land noch keine nennenswerte Industrialisierung erfahren. Von den weiten Ebenen des Kernlandes einmal abgesehen, ist Myanmar sehr rückständig. Und auch sehr arm.

Andererseits haben sich die Menschen „dank“ dieser widrigen politischen Umstände ihre ursprüngliche Kultur und Lebensweise sehr gut bewahrt. Mindestens ein Drittel der Bevölkerung lebt noch in Stammesgemeinschaften, treibt Landwirtschaft und verehrt Dorfgeister. Manchenorts hat sich die letzten hundert Jahre wirklich nur sehr wenig verändert. Was natürlich faszinierend ist! Und auch wenn es nach Klischee tönen mag, wirken die Menschen tatsächlich meist umso glücklicher, je altertümlicher ihr Leben zu verlaufen scheint.  Man kann deshalb durchaus ins Grübeln darüber kommen, ob nun unbedingt auch noch diese Leute mit Motorrädern, Coca Cola und Justin Bieber DVDs beglückt werden müssen…

Denn das ist es, was im Moment passiert. Das Land beginnt sich zu öffnen, das Tempo ist rasant und Baustellen sind allgegenwärtig. Saumpfade werden zu Strassen erweitert, Erdöl- und Gasfelder erschlossen, Staudämme gebaut und Pipelines fressen sich quer durchs Land. Und auch im Kleinen hält der Westen Einzug. In den TVs der Bergdörfer laufen bereits Misswahlen und Mönchsnovizen üben sich in Karaoke…

Vor allem China investiert massiv in Myanmar und der Westen wird wohl nicht mehr lange zurückstehen. Der Tourismus explodiert sowieso. Die Menschen sind voller Hoffnung und es herrscht eine Aufbruchsstimmung sondergleichen. Was natürlich schön zu erleben ist. Und wer mag es diesem Volk nicht gönnen, das so lange so vieles entbehren musste? Doch schwingt halt auch ein wenig Wehmut darüber mit, dass viele hübsche Eigenheiten verloren zu gehen drohen… Was wird sein in zehn Jahren? Werden die Männer noch Röcke tragen und die Frauen ihr Baumrinden-Make-Up? Wird man als Fremder noch so herzlich empfangen werden? Was geschieht mit den Wäldern und Bergvölkern? Und wird es den Menschen insgesamt wirklich besser gehen? Ich bin sehr gespannt…

Doch was gibt es sonst noch zu sehen und zu erleben? Abgesehen von archaischen Landschaften, zig verschiedenen Völkern und wunderbaren Menschen sind dies in erster Linie Tempel und Klöster. Tausende und Abertausende. Und in und um diese Bauten schwirren Hunderte Mönche und Gläubige um Millionen Buddhastatuen. Und alles trieft vor Gold, glitzert vor Edelsteinen, ist bemalt oder mit Teakschnitzereien ausgekleidet und wird nachts so richtig kitschig beleuchtet. Es ist gewaltig, irrsinnig und haut auch den sprödesten Atheisten um (also auch mich…).

Und dann wäre da ja auch noch die Küche des Landes, welche allein schon ein Abenteuer und ständiges Wagnis ist… Hygiene ist nämlich nicht wirklich so bekannt und entsprechend versagen die Touristenmägen in Serie. Auch meiner wurde prompt von einer obdachlosen burmesischen Amöbenfamilie besiedelt… Doch hat es sich irgendwie trotzdem gelohnt, denn einmal abgesehen vom stetigen Rumpeln im Bauch war das Essen oft wirklich gut! Da wird sich in Zukunft selbst Thailand warm anziehen müssen… Und darüber hinaus gibt es in Myanmar eine Menge Gerichte, welche man anderswo schwerlich finden wird. Die Palette umfasst unter anderem Currys aus Hirn, Innereien oder Ziegenhoden, flockigen Pflaumenwein, saure Blumensuppe, ungezählte „Köstlichkeiten“ aus getrocknetem Fisch sowie (mein persönlicher Favorit) Vogelembryo-Barbecue! Nebst dem sind erhältlich: Die besten Nudelsuppen der Welt und viel chinesisches Essen für die weniger Experimentierfreudigen…

Abschliessend dürfte klar sein: Myanmar ist ein spannendes, fantastisches und abenteuerliches Land an der Schwelle eines neuen Zeitalters. Für uns der intensivste Ort bisher. Wir könnten beide problemlos seitenweise weiterschreiben. Und waren doch nur einen Monat dort. Aber es ist auch anstrengend. Und von Ferien kann man im Zusammenhang mit Myanmar wirklich nicht sprechen. Ich selbst bin sehr erschöpft. Aber auch sehr zufrieden.

Bilder Myanmar

Bilder Myanmar

Bangkok

Schon kurz nach der Landung und erst recht auf der Fahrt in die Stadt wurde uns bewusst, dass Thailand halt schon ein ganz anderes Pflaster als Indien ist. Der Unterschied nur schon zu Kolkata, das uns ja sehr gesittet und sauber vorkam, ist schlicht krass… Die Gebäude und Strassen sind plötzlich wieder anständig konstruiert, es gibt wieder Verkehrsregeln, alles wirkt wahnsinnig sauber und vor allem sieht man auch wieder Frauen auf den Strassen… sogar abends! Ich muss zugeben, auch nach vier Tagen bin zumindest ich immer noch ein wenig kulturgeschockt. Christina dagegen hat sich schneller an die neue Atmosphäre gewöhnt. Sie kennt die Stadt ja auch schon und zeigte mir alles.

Unser Aufenthalt hier in Bangkok ist ja an sich rein administrativer Natur. Wir mussten das Visum einholen und Dollar wechseln für Burma, was nur hier in sinnvoller Zeit möglich ist (und auch reibungslos funktioniert hat). Doch hat sich die Stadt als unerwartet charmanter Zwischenstopp erwiesen, der einzig sehr warm geraten ist, so 35 Grad morgens um 10h ist durchaus möglich…

Unsere Batterien sind aber dank wirklich tollem Essen, diversen Massagen und eben auch einigen Ausflügen ins Nachtleben der Stadt wieder völlig aufgefüllt und wir fühlen uns nun bestens gerüstet für Burma. Der Hypermoderne Bangkoks folgt jetzt also quasi wieder das Mittelalter, weshalb wir vielleicht im nächsten Monat auch nicht gross Blogeinträge schreiben können… Falls dem so wäre, macht euch also keine Sorgen!

Zudem scheinen sich einige von Euch gefragt zu haben, ob wir nicht langsam reisemüde werden… Wir können Euch beruhigen, wir sind es noch nicht und halten es zumindest momentan auch noch einigermassen aus miteinander… 😉

Simon

P.S. Mich freut natürlich, dass der FC Basel und Beat Feuz im Moment so erfolgreich sind! Langsam aber sicher vermisse ich allerdings die TV-Übertragungen…

Tamil Nadu & Kolkata

Unsere Reise durch Tamil Nadu versetzte uns ein Jahrhundert zurück. Ochsenkarren, Traktoren,  holperige Strassen und  ständige Stromunterbrüche gehörten zum Alltag. Farbige, pyramidenförmige Tempelbauten, grüne Reisfelder und Palmenhaine prägten die Landschaft.

In Madurai besuchten wir einen der bedeutendsten Tempel von Südindien. Es war schon beeindruckend, die Architektur von innen mit den leuchtenden Farben, all den Gottheiten und die Zeremonien der Inder zu sehen. Einmalig jedoch fanden wir die Tempel in den kleineren Orten, wie Thanjavur und Kumbakonam, wo wir auch wirklich jeden Bereich des Tempels sehen durften. Leider war dafür das Fotografieren im Innern verboten. Zwischen den Tempelbesuchen mussten wir jeweils eine Siesta machen, da uns die Hitze langsam zusetzte. Der Mückenspray war stetig im Einsatz und wir waren froh ums Fenistil.

Pondicherry, eine ehemalige französische Kolonie, war für uns ein Essensschmaus. Nach langer Zeit genossen wir es sehr, wieder einmal zum Frühstück einen Cappuccino zu trinken und in ein Croissant zu beissen. Auch Baguette, Käse, Pizza und Pasta war überall erhältlich. Diese Abwechslung kam uns gerade gelegen, da wir das fettige indische Essen langsam aber sicher intus hatten. Das spirituelle Wohnexperiment Auroville war ein spannender Ausflug. Ob wir dort längere Zeit verbringen möchten, sei jedoch dahingestellt. Danach ging es das letzte Mal per Bus weiter nach Mamallapuram, ein kleines Fischerdörfchen, dass leider vom Tourismus überrannt ist.

Unsere letzte Destination in Indien war schlussendlich Kolkata. Diese Stadt  hat uns sehr gefallen und wir kamen zum Schluss, dass es die schönste und angenehmste Grossstadt von Indien ist. Wir kamen ganz auf den Geschmack der bengalischen Küche, die sich doch recht unterscheidet vom Rest (Fisch in allen Variationen).

Alles in allem hatten wir also einen sehr schönen Abschluss unserer Indienzeit. Es waren drei erlebnisreiche, sehr abenteuerliche, aber auch anstrengende Monate.  Indien war chaotisch, laut und eng angesichts der Menschenmassen, doch eben auch überwältigend farbig und herzlich zugleich. Spirituell erleuchtet worden sind wir zwar noch nicht, doch hat sich unser Horizont definitiv erweitert!

Nun sind wir aber bereits in Bangkok und haben endlich wieder einmal Nachtleben. Der Zwischenstopp dient vor allem der Beantragung des Visums für Burma, wohin unsere Reise am 26.02 hoffentlich auch weiter geht.

Christina

Bilder Tamil Nadu + Kolkata

Bilder Tamil Nadu + Kolkata

Kumily

Auch die zweite Expedition in den Nationalpark endete leider ohne Elefantensichtung. Trotz einem viel längeren und anstrengenderen Ausflug und einem privaten Führer, der sich erheblich mehr Mühe gab als die offiziellen Parkwächter, sichteten wir nur Fussabdrücke, Gagis und Schneisen der Verwüstung, welche die lieben Dickhäuter uns hinterlassen hatten…

Es war aber trotzdem schön, einen Tag durch den Dschungel zu streifen und die Nacht draussen zu verbringen. Und einige Tiere sahen wir ja schon, beispielsweise Sambar-Hirsche, Bisons und das wirklich imposante Malabar-Rieseneichhörnchen…

Nun geht’s wieder ins Flachand nach Tamil Nadu.

Simon

P.S. Die Fotos aus Kerala sind nun komplett

Bilder Kerala

Backwaters

Kein Ort in Indien, welchen wir bisher besucht haben, wurde uns von so vielen Leuten so nachdrücklich empfohlen wie die Backwaters – ein Wirrwarr von Süsswasserseen und Kanälen direkt hinter der tropischen Küste Keralas. Folgsam und brav wie wir sind, haben wir uns deshalb extra viel Zeit genommen, uns alles ganz genau angesehen und für einmal auch fast jedes mögliche touristische Angebot ausprobiert, von der Hausbootfahrt bis zum klassischen Theater- und Volkstanzabend…

Letzteren besuchten wir zusammen mit Horden älterer Pauschaltouristen in Kochi, einer alten Kolonialstadt und Startpunkt unserer Backwaters-Erkundungstour. Und es hat sich durchaus gelohnt. Nur schon das Schminken der Kathakali-Schauspieler würde jeden Guggenmusikanten vor Neid erblassen lassen und die Körperbeherrschung und Mimik der Schauspieler während der Tänze war eindrücklich. Die Story handelte im Übrigen von einem Prinzen, der um die Ehre seiner Frau zu retten einen bösen König töten und mit dessen Gedärmen die Haare seiner Angetrauten waschen musste… Und auch die anschliessend auftretenden Tempeltänzerinnen beherrschten ihr Metier, verrenkten sich sehr anmutig und könnten sicher locker mit Shakira mithalten…

Weiter haben wir in Kochi auf dem Markt Fisch, Scampis und einen fetten, lebendigen Krebs gekauft und uns anschliessend vor Ort bräteln lassen, was auch ein nachhaltiges Erlebnis war. Allerdings ist so ein Krebs etwas mühselig zum Öffnen… Und schlussendlich übernachteten wir in Kochi auch sehr exklusiv, nämlich in dem Haus, in dem Vasco da Gama vor 400 Jahren verstorben ist. Es gibt also wirklich üblere Orte, um das Zeitliche zu segnen, denn die ganze Wohnung hatte Stil und war sehr schön möbliert.

Richtig schön hatten wir es auch später wieder auf besagter Hausbootfahrt bei Kollam. Die Landschaft und das Dorfleben vom überdachten Panoramadeck des eigenen Bootes zu beobachten ist natürlich an sich ziemlich feudal und cool. Weiter waren auch noch eine Kanufahrt durch etwas engere Wasserwege, ein tolles Abendessen sowie ganze drei Mann Besatzung inklusive. Wir waren also definitiv schon länger nicht mehr so umschwärmt…

Danach waren wir zwei Tage lang mit Fähren unterwegs und reisten so über das sehr geschäftige und weniger hübsche Allepey ins beschaulichere Kottayam. Hier liessen wir es uns anschliessend 3 Tage lang in einer Pension mit Familienanschluss inmitten von Reisfeldern und kleinen Kanälen gut gehen… Der hiesige Einblick ins sehr entspannte, farbige und fröhliche Dorfleben hat uns wiederum sehr gut gefallen. Und dass sich alles rund ums Wasser abspielte und es kaum Strassen gab, war natürlich zusätzlich eindrücklich und wird uns Landratten unvergesslich bleiben…

Das Fazit nach 8 Tagen Intensiv-Backwatering lautet also: Es ist tatsächlich so schön hier wie alle behauptet haben! Man muss dem  jedoch anfügen, dass die Idylle wirklich nur abseits der grösseren oder touristischen Ortschaften zu finden ist, in den kleineren Dörfern und überhaupt der Natur. Die Zentren sind so lärmig und hässlich wie sonstwo und leider auch ziemlich traurig verdreckt. Es wurde uns vor allem während der Bootsfahrten auf den grösseren Kanälen immer wieder leicht übel angesichts der Umweltverschmutzung und man muss auch dies erwähnen, nebst all den hiesigen Herrlichkeiten…

Inzwischen sind wir nun schon wieder etwas weiter. Und zwar in Kumily nahe dem Periyar-Tigerschutzgebiet, welches aber eher für seine tausend(!) wilden Elephanten bekannt ist und haben auch bereits eine erste Exkursion in den Park hinter uns. Leider haben wir aber in erster Linie Wildschweine, Affen und zwei verliebte Schlangen gesehen, die Elephanten selbst jedoch erst für wenige Sekunden… Wir werden deshalb morgen nochmals einen Versuch wagen, dieses Mal jedoch mit Dschungelübernachtung und allem Drum und Dran!

Der Bericht hierüber wie auch der Rest der Fotos folgt allerdings später. Wir haben nämlich so viele Bilder geschossen, dass wir mit Auswählen und Sortieren kaum nachkommen…

Und vielen Dank an alle für die Kommentare und Grüsse, wir freuen uns immer sehr über jedes Lebenszeichen!

Simon