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Myanmar

26/03/2012

Min guh la ba!

Ach wie doch die Zeit vergeht… bereits ist wieder ein Monat vorbei, unsere Zeit in Myanmar ebenso und Thailand hat uns bereits wieder. Viel von uns gehört habt ihr ja in dieser Zeit nicht gerade. Nicht, dass nichts passiert wäre. Doch wie wir bereits ein wenig erwartet hatten, gab das Internet in Myanmar nicht viel her. Dafür folgen nun aber gleich zwei Berichte. Je einer von uns beiden. Wir waren nämlich jeder für sich immer ein wenig am Schreiben und behalten dies nun gleich bei.

Bericht Christina

Myanmar ist tatsächlich das goldene Land. Noch nie haben wir so viel „echtes“ Gold gesehen! Da man nur 28 Tage bleiben kann, hatten wir ein vollgepacktes Programm. Wir haben sehr viel erlebt in dieser Zeit, deshalb möchte ich nur einige Erlebnisse erläutern.

Abenteuerlich hatten wir es im reizvollen Bergdorf Namhsan auf 1700m.ü.M. Schon die Busfahrt wird uns für immer in Erinnerung bleiben. Der Abfahrtsort des Privatbusses war bei einem Kloster irgendwo in Mandalay. Für dreizehn Stunden waren wir dem mit Lebensmitteln und ca. siebzig ausschliesslich einheimischen Leuten hoffnungslos überladenen Bus ausgeliefert. Die Gerüche, unter anderem getrockneter Fisch und frische Kotze…  unvergesslich. An Schlaf war für uns kaum zu denken, da es sehr holprig vorwärts ging und die Bewegungsfreiheit vor allem der Beine sehr eingeschränkt war. Schlussendlich in Namhsan angekommen, blies uns ein sehr frischer Wind entgegen. Den kalten Regentag verbrachten wir vor einem kleinen Feuer eingepackt in unsere warmen Kleider inklusive Thermosunterwäsche. Unser Plan war es, in drei Tagen hinunter nach Hsipaw zu Trekken. San Tea, unser Guide, lud uns erstmal zu seinem Haus ein, wo er mit seiner Frau und ein Teil seiner Grosskinder lebt. Man kann sich fast nicht vorstellen, wie einfach all diese Menschen leben. Da gibt es einen grossen Raum mit einem Altar, Bambusmatten und sonst nichts. Teilweise haben sie noch einen Tisch, Bettgestelle, Decken und ein TV. Die Küche ist in einem separaten Raum bestehend aus einer Feuerstelle,  Töpfe, Teller Tassen und ein paar Lebensmitteln. Eingeladen wird man stets zu Grüntee, der immer und überall bereit steht.  Leider musste ich dann auf den Trek verzichten, da mich eine üble Darmgrippe lahmlegte.

So ursprüngliche und vielfältige Märkte wie es in Myanmar überall hat, habe ich noch nirgends gesehen.  Von überall her kommen die Leute mit Ihrer Ware, seien es einfach Blumen, Kräuter, Fisch oder mehrere Gemüsesorten, um sie dann zu verkaufen. Der Markt ist ein zentraler Ort, zu dem alle hinströmen, um die notwendigen Lebensmittel zu kaufen.

Die Burmesen sind ausgesprochen freundliche hilfsbereite und hübsche Menschen. Von überall her wird einem zugewunken, sei es jung, alt, Mann, Frau oder Kind. Nur auf dem Schwarzmarkt beim Geld wechseln wurden wir arg hintergangen, obwohl die Aufmerksamkeit von uns sehr hoch war. Zum Glück kann man unterdessen an vielen Orten problemlos Geld wechseln.

Ja mit dem Geld ist es in Myanmar schon sehr speziell. Einerseits muss man nigelnagelneue, faltenlose Dollarnoten mitbringen. Anderseits bekommt man dann meist nur uralte Kyat dafür. Unterkünfte werden praktisch immer in Dollar bezahlt und sind meist überteuert bezüglich des Standards und erst recht im Verhältnis zu den Lebensmitteln. Die einfachen Doppelzimmer sind fast immer um die 20 Dollar. Lebensmitteln  hingegen werden immer in Kyat bezahlt und eine Hauptmahlzeit bekommt man schon um die drei Franken. Am billigsten hatten wir einmal eine leckere Nudelsuppe mit doppeltem Whisky für insgesamt achtzig Rappen. Die höchste Note ist 5000 Kyat und etwa sechs Franken wert. So könnt ihr euch vorstellen, mit wie dicken Geldbeuteln wir unterwegs waren. Direkt nach dem Geldwechseln hatten wir locker 500`000 Kyat im Sack.

Einen sehr  idyllischen Ort fand ich die Umgebung des Inle Lake. Per Velo und Boot erkundeten wir die Gegend. Die Floating Gardens schwimmen tatsächlich frei und sind voll in Gebrauch. Die Gärten werden jedoch mit Bambuspflöcken befestigt, damit sie bei Wind oder Wellengang nicht davon treiben. Vielerorts steht das halbe Dorf über dem Wasser und kleine Kanus verbinden alles miteinander.

Ich bin glücklich und froh Myanmar, das Land der Gegensätze, bereist zu haben.

Bericht Simon

Myanmar ist in fast jeder Hinsicht eine extreme Destination, dies wird einem als Besucher sehr schnell bewusst. Klima, Transport, Essen, Sprache, Schrift, Menschen und nicht zuletzt die Politik. Alles ist sehr eigen…

Jahrzehntelang aufgrund der Misswirtschaft eines stümperhaften Militärregimes völlig isoliert vom Rest der Welt, hat das Land noch keine nennenswerte Industrialisierung erfahren. Von den weiten Ebenen des Kernlandes einmal abgesehen, ist Myanmar sehr rückständig. Und auch sehr arm.

Andererseits haben sich die Menschen „dank“ dieser widrigen politischen Umstände ihre ursprüngliche Kultur und Lebensweise sehr gut bewahrt. Mindestens ein Drittel der Bevölkerung lebt noch in Stammesgemeinschaften, treibt Landwirtschaft und verehrt Dorfgeister. Manchenorts hat sich die letzten hundert Jahre wirklich nur sehr wenig verändert. Was natürlich faszinierend ist! Und auch wenn es nach Klischee tönen mag, wirken die Menschen tatsächlich meist umso glücklicher, je altertümlicher ihr Leben zu verlaufen scheint.  Man kann deshalb durchaus ins Grübeln darüber kommen, ob nun unbedingt auch noch diese Leute mit Motorrädern, Coca Cola und Justin Bieber DVDs beglückt werden müssen…

Denn das ist es, was im Moment passiert. Das Land beginnt sich zu öffnen, das Tempo ist rasant und Baustellen sind allgegenwärtig. Saumpfade werden zu Strassen erweitert, Erdöl- und Gasfelder erschlossen, Staudämme gebaut und Pipelines fressen sich quer durchs Land. Und auch im Kleinen hält der Westen Einzug. In den TVs der Bergdörfer laufen bereits Misswahlen und Mönchsnovizen üben sich in Karaoke…

Vor allem China investiert massiv in Myanmar und der Westen wird wohl nicht mehr lange zurückstehen. Der Tourismus explodiert sowieso. Die Menschen sind voller Hoffnung und es herrscht eine Aufbruchsstimmung sondergleichen. Was natürlich schön zu erleben ist. Und wer mag es diesem Volk nicht gönnen, das so lange so vieles entbehren musste? Doch schwingt halt auch ein wenig Wehmut darüber mit, dass viele hübsche Eigenheiten verloren zu gehen drohen… Was wird sein in zehn Jahren? Werden die Männer noch Röcke tragen und die Frauen ihr Baumrinden-Make-Up? Wird man als Fremder noch so herzlich empfangen werden? Was geschieht mit den Wäldern und Bergvölkern? Und wird es den Menschen insgesamt wirklich besser gehen? Ich bin sehr gespannt…

Doch was gibt es sonst noch zu sehen und zu erleben? Abgesehen von archaischen Landschaften, zig verschiedenen Völkern und wunderbaren Menschen sind dies in erster Linie Tempel und Klöster. Tausende und Abertausende. Und in und um diese Bauten schwirren Hunderte Mönche und Gläubige um Millionen Buddhastatuen. Und alles trieft vor Gold, glitzert vor Edelsteinen, ist bemalt oder mit Teakschnitzereien ausgekleidet und wird nachts so richtig kitschig beleuchtet. Es ist gewaltig, irrsinnig und haut auch den sprödesten Atheisten um (also auch mich…).

Und dann wäre da ja auch noch die Küche des Landes, welche allein schon ein Abenteuer und ständiges Wagnis ist… Hygiene ist nämlich nicht wirklich so bekannt und entsprechend versagen die Touristenmägen in Serie. Auch meiner wurde prompt von einer obdachlosen burmesischen Amöbenfamilie besiedelt… Doch hat es sich irgendwie trotzdem gelohnt, denn einmal abgesehen vom stetigen Rumpeln im Bauch war das Essen oft wirklich gut! Da wird sich in Zukunft selbst Thailand warm anziehen müssen… Und darüber hinaus gibt es in Myanmar eine Menge Gerichte, welche man anderswo schwerlich finden wird. Die Palette umfasst unter anderem Currys aus Hirn, Innereien oder Ziegenhoden, flockigen Pflaumenwein, saure Blumensuppe, ungezählte „Köstlichkeiten“ aus getrocknetem Fisch sowie (mein persönlicher Favorit) Vogelembryo-Barbecue! Nebst dem sind erhältlich: Die besten Nudelsuppen der Welt und viel chinesisches Essen für die weniger Experimentierfreudigen…

Abschliessend dürfte klar sein: Myanmar ist ein spannendes, fantastisches und abenteuerliches Land an der Schwelle eines neuen Zeitalters. Für uns der intensivste Ort bisher. Wir könnten beide problemlos seitenweise weiterschreiben. Und waren doch nur einen Monat dort. Aber es ist auch anstrengend. Und von Ferien kann man im Zusammenhang mit Myanmar wirklich nicht sprechen. Ich selbst bin sehr erschöpft. Aber auch sehr zufrieden.

Bilder Myanmar

Bilder Myanmar

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7 Kommentare
  1. Avatar von Renate
    Renate permalink

    Ich hoffe, es geht euch wieder rundherum gut, und ihr könnt euch etwas von der anstrengenden Reise durch Myanmar erholen… Hebets guet!!! Liebe Grüsse aus der frühlingshaften Schweiz, Renate

  2. Avatar von sophia
    sophia permalink

    simons resümee kann ich nur zustimmen, „urlaub“ sieht anders aus!
    toller bericht!

  3. Avatar von Gabriel
    Gabriel permalink

    Hallo Schwöschterli und Simon

    Besten Dank für die interessanten News! Nun bin ich wohl besser informiert als nach 180 Seiten Marco Polo Myanmar 🙂
    Bis bald und weiterhin alles Gute & viel Spass
    Gabriel

  4. Avatar von Adi

    wow, spannende berichte und schöne fotos – merci! ich hoffe mal, die obdachlose burmesische amöbenfamilie hat unterdessen ein neues heim gefunden 🙂
    lg, adi

  5. Avatar von Stefan Hopf
    Stefan Hopf permalink

    Oh, diese Bilder sind fantastisch! Unglaublich, was ihr alles erlebt und gesehen habt . . .! pS

  6. Avatar von Stefan Hopf
    Stefan Hopf permalink

    Ja, es ist wirklich spannend zum Lesen!
    Habt ihr irgendwo Brücken aus alten Drahtseilbahn-Drähten aus der Schweiz entdeckt?
    Mein Freund Toni el Suizo hat sie mit Hilfe Einheimischer gebaut!
    Un beso
    papá

  7. Avatar von Stefan Hopf
    Stefan Hopf permalink

    Eben entdeckt! – Das ist ja grossartig wieder von euch zu hören!
    Ich freue mich euren Bericht nun zu lesen!
    Herzlichen Dank und liebste Grüsse
    papá

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